Angeklagte klauen Diesel und Werkzeug von Baustellen - 20-Jähriger nach Selbstanzeige milder ...
Nach Verwirrspiel zwei Geständnisse

Bagger wurden geknackt, Baustellencontainer ausgeräumt. Die Täter saßen jetzt vor dem Jugendschöffengericht. Sechs Stunden lang inszenierten zwei von ihnen eine Art Verwirrspiel um ihre Beteiligung an den Straftaten. Dann legten beide Männer über ihre Verteidiger Geständnisse ab. Ob das, was sie dabei sagten, wirklich der Wahrheit entsprach, blieb allerdings unklar.

Im Spätsommer vergangenen Jahres kam ein heute 20-Jähriger zur Polizei und berichtete dort umfangreich von einer Diebstahlsserie, an der er selbst zumindest in zwei Fällen beteiligt war. Bis zu diesem Zeitpunkt standen etliche Baustelleneinbrüche als ungeklärt in den Unterlagen der Ermittler.

Von einem seiner Mittäter war der junge Mann vorher noch telefonisch gewarnt worden: "Wenn du aussagst, bringe ich dich um." Doch er ließ sich nicht beirren. Das rechneten ihm die Richter jetzt hoch an.

Die Straftaten begannen im August 2012. Auf Baustellen im Stadtgebiet hatten Diebe die Tanks von Baggern und Radladern aufgebrochen, daraus etliche Hundert Liter Diesel abgezapft und in Kanister gefüllt. Außerdem fehlten teuere Werkzeuge und Geräte. Sie stammten aus Containern, wurden später zu einem Großteil in einer Sulzbach-Rosenberger Garage aufgefunden. Der Eigentümer des Gebäudes wollte mit den Diebstählen nichts zu tun haben.

Die Fäden gezogen

Nach dem Geständnis des 20-Jährigen gerieten zwei Verdächtige ins Visier der Beamten. Einer von ihnen, 38 Jahre alt, galt von Beginn an als Mann, der die Fäden im Hintergrund zog, Auftraggeber für die Diebstähle und Abnehmer des erbeuteten Kraftstoffs war. Der andere, 22-jährig, rückte nachts zu den Baustellen aus. Im Prozess wartete der 38-Jährige zunächst mit einer Überraschung auf: Er wollte seine Mitangeklagten nicht kennen und den bei ihm sichergestellten Diesel in Tschechien legal erworben haben. "320 Liter. Ein schöner Vorrat", stellte der Gerichtsvorsitzende Ludwig Stich fest. Staatsanwalt Dr. Johannes Weber fügte hinzu: "Selten habe ich etwas Abenteuerlicheres gehört."

Vorher Druck ausgeübt?

Weit über ein Dutzend Zeugen hatte das Jugendschöffengericht geladen. Bei einigen von ihnen ergab sich der Verdacht, dass im Vorfeld der Verhandlung Druck auf sie ausgeübt worden war. Mehrfach änderten die beiden Beschuldigten im Prozessverlauf ihre Versionen. Plötzlich kannten sie sich auch. Draußen auf dem Gang hatten sie zuvor schon bei Beobachtern den Eindruck enger Freundschaft erweckt.
Sechs Stunden nach Verhandlungsbeginn erhielt das Gericht zwei Geständnisse. Der 22-Jährige gab sich dabei als der an den Baustellen das Kommando führende Dieb zu erkennen, sein 38-jähriger Landsmann räumte ein, den Dieselkraftstoff angekauft und für seine eigenen Fahrzeuge verbraucht zu haben. Darauf ließen die Richter nach einem hinter verschlossenen Türen geführten Verständigungsgespräch erkennen, sie seien zur Verhängung von Bewährungsstrafen bereit.

Der 38-Jährige erhielt ein Jahr zur Bewährung. Hehlerei galt in seinem Fall als erwiesen, zu einer Verurteilung wegen Anstiftung zum Diebstahl reichten die Beweise nicht aus. Der 22-Jährige kam mit 18 Monaten zur Bewährung davon. Beide müssen 600 Euro Geldauflage bezahlen.

Vier Tage Dauerarrest

Bei dem 20-Jährigen ("Ich wollte eigentlich nie mitmachen"), ohne dessen Angaben die Diebstahlsserie nicht hätte geklärt werden können, erkannte das Jugendgericht auf vier Tage Dauerarrest. Es honorierte damit den Mut des jungen Mannes.
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