Armin Nentwig eröffnet Fachtagung des Bundesverbandes Schädel-Hirnpatienten in Not
Auch nach 23 Jahren nicht müde

Zum Auftakt der zweitägigen Fachtagung des Verbandes Schädel-Hirnpatienten in Not hat sich Bundesvorsitzender Armin Nentwig gestern in einem leidenschaftlich geführten Plädoyer dafür stark gemacht, die Rechte der Patienten zu stärken. In Zeiten der Organspende-Skandale würden Stimmen laut, die sagten, die Gesellschaft habe ein Anrecht auf diese Herzen, Lungen oder Nieren. Doch diese Sichtweise verletzte die Würde der Kranken, die beispielsweise im Wachkoma liegen: "Sie leben, sie fühlen, sie spüren, sie reagieren und sie haben Schmerzen."

In Anwesenheit von über 100 Betroffenen und Angehörigen aus dem gesamten Bundesgebiet blickte Nentwig auf die Anfänge des Verbandes vor 23 Jahren zurück: "Es gab kein Bett für einen Menschen im Wachkoma. In ganz Deutschland." Die Kranken seien auch in jüngeren Jahren in Altenheime oder geschlossene Anstalten abgeschoben worden.

Rund 5000 Betten

Das sei nun anders und ein klarer Verdienst des Verbandes: Bundesweit existierten mittlerweile 2500 Betten für die Behandlungspflege und in etwa ebenso viele für die Frührehabilitation, über die Dr. Hans-Peter Neunzig referierte. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Neurologische Früh-Reha Niedersachsen und Bremen sagte: Bei akutstationärem Behandlungsbedarf "besteht gleichzeitig Rehabilitationsbedarf". Diese Sichtweise ist laut Armin Nentwig allerdings erst in den vergangenen rund zehn Jahren gereift.

Das Recht auf Reha

Spätestens seit der Erfindung bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) sei bekannt, dass jeder Patient ein Reha-Potenzial hat, auch wenn er 75 oder 80 Jahre alt ist. Der Bundesvorsitzende forderte die anwesenden Mitglieder auf, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen: "Nach 23 Jahren dürfen wir nicht müde werden. Wir müssen den Schwung des Miteinanders mitnehmen." Denn der Verband habe Beachtliches geleistet: "Wenn alle, denen wir geholfen haben, Mitglied wären, wären wir jetzt 50 000."
Wie viele Betroffene es gibt, verdeutlichte Dr. Neunzig in seinem Vortrag. Auf eine Million Einwohner kämen in Bayern 603 Fälle. Für sie stünden im Freistaat 25 Einrichtungen zur Verfügung. Nach der Diagnose und der Akutbehandlung wechselten die Menschen in die Früh-Reha, die zwei bis drei Monate dauere. Danach folgten weitere Stufen der Rehabilitation, doch eine zuverlässige Prognose gebe es nie: "Trotz aller neuen Methoden ist bis heute eine sichere Diagnose über den weiteren Verlauf nicht zu stellen."

Heute Neuwahlen

Die Fachtagung geht heute um 9.30 Uhr mit einer Vortragsreihe weiter. Ab 12.30 Uhr stehen dann die Neuwahlen an, bei denen sich Nentwig erneut um den Vorsitz bewirbt.
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