21.09.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

"Arrogant und selbstgefällig" sagen Zeugen über die 35-jährige Angeklagte - Die Spurensuche im ... Nur wenige Pluspunkte für die Verteidiger

von Autor HWOProfil

Die beiden Verteidiger lassen nichts unversucht, für ihre Mandantin Pluspunkte zu sammeln. Doch das ist ihnen im bisherigen Verlauf des Pfreimder Mordprozesses nur sehr selten gelungen. Denn fast immer, wenn sich die Saaltür öffnet und ein Zeuge vor den Richtern Platz nimmt, fallen Sätze, die ein düsteres Menschenbild von der 35-jährigen Angeklagten zeichnen.

Die vor das Schwurgericht geladenen Männer und Frauen stammen aus dem Umfeld des durch einen Schrotschuss tödlich verletzten Pfreimder Spediteurs und seiner aus dem südlichen Kreis Schwandorf stammenden Ehefrau. Sie schildern Begebenheiten und Erlebnisse der seltsamsten Art, werden mitunter auch um persönliche Einschätzungen gebeten. Solche Wertungen sind sicher subjektiv. Doch in der Summe ergeben sie eine Gesamtschau. Sie lässt sich so zusammenfassen: Da war eine Lehrerin, die plötzlich in das Leben ihres späteren Gatten trat, ab dann die Zügel fest in der Hand hielt und ihren Mann zum Pantoffelhelden machte.

Wie unter Drogen...

Diese Zügel scheinen im Lauf der Zeit ins Zügellose abgeglitten zu sein. Am Freitag kamen Leute, die sich rasch auf Distanz zu der heute 35-Jährigen begeben hatten. Ein Ehepaar aus einem kleinen Pfreimder Nachbarort etwa, das den Speditionsunternehmer wegen "seiner Freundlichkeit und umgänglichen Art" ins Herz geschlossen hatte. Er sei für sie, erfuhr man von der Zeugin, "wie ein Bruder gewesen." Immer da, wenn man Hilfe brauchte. Und dann sei ein Wandel mit dem Speditionsunternehmer vor sich gegangen. Unbegreiflich, unfassbar, nicht nachzuvollziehen.

Im Gerichtssaal sitzt eine psychologische Sachverständige. Sie soll demnächst ihre gewonnenen Eindrücke zusammenfassen. Doch die Expertin hatte bisher offenbar keine Gelegenheit, mit der Angeklagten zu reden. Von daher muss sie Zeugen befragen. Von der Frau aus dem Pfreimder Nachbarort erfuhr sie: "Die war arrogant und selbstgefällig." Unmittelbar darauf sagte ihr Ehemann aus. Er wusste: "Wenn sie da war, hat sie für ihn geantwortet." Eine ungewöhnliche Situation, die den Speditionsunternehmer offenbar zu keinerlei Reaktion veranlasste. "Wie wenn er unter Drogen stand". Das sei nach einer Operation, der sich der im Alter von 39 Jahren verstorbene Mann unterzog, besonders deutlich geworden.

Auch ein anderes Bild

Die Verteidiger Robert Hankowetz und Norbert Deuschl bohrten auch am Freitag nach, wollten Einschätzungen nicht gelten lassen. Doch darum war gebeten worden. Nur einmal am neunten Prozesstag hatten die Anwälte ein Erfolgserlebnis.

Es erschien die Ex-Freundin eines Bruders des Getöteten und mit ihr eine Zeugin, die ein völlig anderes Bild zeichnete. Der Spediteur habe oft und gerne dem Bier zugesprochen, sagte sie und ließ erkennen, dass dessen Ehefrau sich "sehr um ihn gekümmert hat." Mehr noch: "Sie brachte ihn weg vom Alkohol." Nie sei die damals noch als Lehrerin arbeitende Frau schlecht gelaunt gewesen, "immer gut drauf." Doch wie ist das in Einklang zu bringen mit denen, die ganz andere Beobachtungen machten?

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