28.09.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Auf der Suche nach Doppelgängern im Wald - Große Gefahr: Verwechslung von Schwammerln kann ...: Wenn der Steinpilz dann doch keiner ist

Ein Körbchen voller Steinpilze: Da schlägt das Herz eines jeden Schwammerlsammlers höher. In Rahmsauce und mit Semmelknödeln sind die Herrenpilze, wie sie auch genannt werden, eine Delikatesse. Doch wehe, wenn sich auch nur ein einziger Gallenröhrling eingeschlichen hat - dann schiebt man gerne das Pilzgericht weit von sich. Igittigitt: Die Mahlzeit ist ungenießbar geworden. Das ist höchst ärgerlich, doch andere Verwechslungen können tödlich enden.

Von oben betrachtet sehen sich der giftige Birkenreizker (links) und der essbare Kiefernreizker relativ ähnlich.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Extrem gefährlich ist es, den Perl- mit dem Pantherpilz zu verwechseln. Letzterer ist potenziell tödlich giftig, erklärt Herbert Baumanis, geprüfter Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) und damit ein ausgewiesener Experte. Der Pantherpilz rufe Rauschzustände hervor, sein Gift sei 150-fach höher als das des Fliegenpilzes. "Das kann wirklich tödlich enden", warnt Baumanis eindringlich vor einer Verwechslung mit dem Perlpilz oder dem Grauen Wulstling. Der Pantherpilz ist also alles andere als harmlos. Und er wächst natürlich in der Region, ist gar nicht so selten.

Der Amberger präsentiert ein Exemplar, das er erst am Vortrag gefunden hat, in der Nähe von Waldhaus. In einem Waldstück bei Atzlricht steht ein ähnlicher Vertreter. Der Pilzsachverständige dreht ihn mit einem schnellen Griff aus der Erde. Das ist wichtig, um die Unterschiede deutlich erkennen zu können. Beide Pilze haben einen braunen Hut, auf dem sich Flocken befinden, weiße Lamellen und eine Manschette am Stiel. Die weißen Flöckchen sind das erste Unterscheidungsmerkmal: Beim Pantherpilz sind sie deutlich weißer, richtig erhöht und dreidimensional.

Alle Merkmale checken

Der DGfM-Sachverständige warnt aber davor, sich nur auf ein Unterscheidungsmerkmal zu verlassen. "Das ist zu wenig", sagt er mit einer Bestimmtheit in der Stimme, die keinen Widerspruch zulässt. Er lenkt den Blick auf den Stiel: Die Manschette des Pantherpilzes ist ungerieft. Am Stielende, an der Knolle, hat er sein drittes Unterscheidungsmerkmal. Der Experte nennt das ein Bergsteigersöckchen. Gemeint ist damit ein Wulst, der so aussieht als hätte ein Wanderer das Bündchen seiner Socken nach unten gerollt.

Jede Menge Herrenpilze

Momentan ist eine gute Zeit, um in die Schwammerln zu gehen. Vor allem die Steinpilze wachsen. Schon nach wenigen Metern im Wald lugt ein brauner Hut hervor. Hurra, ein Steinpilz, ein junges Exemplar, eines mit einem knolligen Bauch! Herbert Baumanis nickt, der edle Pilz wandert flugs ins Körbchen - vor dem geistigen Auge schwimmt der edle Pilz bereits in kleinen Stückchen in Rahmsauce auf einem Teller mit Semmelknödeln. Nur ein paar Meter weiter spitzt das nächste Köpfchen aus dem grünen Moos hervor.
Ist es einer oder doch nicht? Wird er herrlich nussig sein, wie Steinpilze eben nun mal schmecken? Oder wird er die Schwammerlbrühe komplett versauen? Auf Herbert Baumanis' Gesicht macht sich ein Grinsen breit. So leicht macht es einem der Pilzberater nicht. Ob das ein Steinpilz oder ein Bitterpilz ist, das muss man jetzt selbst bestimmen. Schließlich hat Baumanis die Unterschiede schon erklärt. "Der Steinpilz hat ein weißes Netz auf dunklem Grund", hat er während des Spaziergangs durch den Wald gepredigt. Beim Gallenröhrling ist es genau umgekehrt: Dunkles Netz auf hellem Grund.

Gut, dass im Körbchen schon ein Steinpilz als Vergleichspartner liegt. Der Fachmann gibt noch einen Tipp: Am besten oben, am Stielanfang nachschauen. Gesagt, getan. Dem Netz nach könnte es ein Bitterpilz sein - oder doch ein Steinpilz?! Und wieder kommt die Warnung: Sich niemals nur auf ein Merkmal verlassen, sondern alle checken. Da wären noch die Röhren. Beim Steinpilz werden sie grün, beim Bitterling sind sie rosa bis rötlich und deutlich größer.
Nur leider sind die beiden Exemplare noch ganz junge Pilze, ihre Röhren sind jeweils weiß. Dann bleibt nur noch der ultimative Test: Ein Stückchen abbrechen und in den Mund nehmen. Der bittere Geschmack ist sofort da - spätestens jetzt weiß man, woher der Pilz seinen Namen hat. "Der Gallenröhrling ist nicht giftig", sagt Baumanis, "aber halt ungenießbar."

Extrem weiche Konsistenz

Von Zeit zu Zeit leuchtet es während der Tour durch den Wald gelb-orange aus dem Boden. Vielleicht ein Eierschwammerl? Schön wär's - doch leider sind es nur falsche Pfifferlinge. Das Eierschwammerl ist ein kompakter Pilz. Baumanis spricht von einer "einheitlichen Masse". Der falsche Pfifferling hat einen Fruchtkörper und Lamellen. Der Sachverständige pflückt eines ab und streift mit dem Daumen die Lamellen ab. "Sie lassen sich so problemlos abziehen." Beim Eierschwammerl geht das nicht. "Da sieht man schon, der falsche Pfifferling hat eine extrem weiche Konsistenz", erklärt der Experte.
Nicht dramatisch wäre es, wenn sich ein falscher unter echte Pfifferlinge schummeln würde. "Aber ein reines Pilzgericht nur mit denen, das würde zu Magen-Darm-Störungen führen", weiß er. Menschen, die Stockschwämmchen sammeln, müssen höllisch aufpassen: Groß ist die Gefahr, sie mit Gifthäublingen zu verwechseln. Die Hüte sind identisch, laut Baumanis kann nicht einmal ein ausgewiesener Experte bei Pilzen ohne Stiel den Unterschied erkennen. "Dann müsste man anhand des Geruchs entscheiden und das wäre fatal." Das Stockschwämmchen hat am Stiel unterhalb der Manschette kleine Schüppchen, der Gifthäubling silbrige Fäden in Längsrichtung.

"Wer Stockschwämmchen sammelt, der muss die Gifthäublinge kennen", macht Baumanis deutlich. Eine Verwechslung könnte dramatisch enden. Der Pilz enthält Amanitin, jenes Gift, das auch der Knollenblätterpilz hat. "Schon geringe Mengen können schwere Leberschäden verursachen", warnt er.

Reizker nicht gleich Reizker


Der Amberger freut sich, als er Reizker entdeckt, sie zählen zu seinen Lieblingspilzen. Doch auch von ihnen gibt es eine giftige Variante: den Birkenreizker. Der Experte hält einen in der Hand - rein optisch ist der Hut nicht von dem des essbaren Kiefernreizkers zu unterscheiden. Baumanis dreht die Schwammerln um: Stiel und Lamellen des Speisepilzes sind orange, die Lamellen des Birkenreizkers sind weiß. Der Fachmann bricht jeweils ein Stück vom Hut ab. Der Kiefernreizker "blutet" und sondert eine orange Flüssigkeit ab. "Die Milch des Birkenreizkers ist weiß und scharf", erklärt er. Abseits des Waldweges steht ein Fliegenpilz, wunderschön anzuschauen. "Den kennt jedes Kind", sagt Baumanis lachend. "Dass wir den sofort erkennen, scheint uns in den Genen zu liegen", meint er scherzhaft. Jetzt heißt es, die Augen offen zu halten. "Fliegenpilze zeigen häufig Steinpilze an", weiß der Pilzberater. Doch Fehlanzeige: Kein Exemplar weit und breit - vielleicht aber war ein anderer Schwammerlsammler einfach schneller. Das Körbchen ist trotzdem gut gefüllt, den Semmelknödeln in Rahm-Schwammerln steht nichts mehr im Weg - und sie sind garantiert ohne einen einzigen Bitterling.

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