06.09.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Auf Lebensgefährten mit Küchenmesser eingestochen - Zweieinhalb Jahre Haft für 51-Jährige Brutales Ende einer Partnerschaft

Die Lebensgemeinschaft war geprägt von Streit, Tätlichkeiten und vom Alkoholgenuss. An einem Maisonntag letzten Jahres eskalierte der Hass. Die damals 50 Jahre alte Schwandorferin griff zu einem Messer und stach einen Teil der 21 Zentimeter langen Klinge in die Brust ihres 48 Jahre alten Partners. Dass der Mann überlebte, hatte er vorrangig der ersten Hilfe eines Nachbarn zu verdanken.

von Autor HWOProfil

Bier und Wein in großen Mengen gehörten zu den täglichen Begleitern des in Schwandorf wohnenden Paares. Die alkoholischen Getränke vernebelten regelmäßig die Sinne und sorgten auch dafür, dass eine klare Tathergangsklärung jetzt vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts nicht möglich war. Denn es gab unterschiedliche Darstellungen der beiden Beteiligten. Fest stand: Der 48-Jährige war wieder einmal über Nacht nicht heimgekehrt, wankte mit seinen 2,2 Promille erst am späten Vormittag eines Maisonntages in die Wohnung. Als feststehend konnte die Kammer ferner werten, was beide übereinstimmend sagten: "Es hat Streit gegeben."

Weshalb? Warum? Der Mann konnte sich nicht mehr erinnern. Nur eines erzählte er den Richtern: "Sie hat plötzlich ein Messer in der Hand gehabt und ich hab' gesagt, sie soll es weglegen." Kurz darauf sei er dann, durch eine weit ausholende Armbewegung quer über den Wohnzimmertisch hinweg, auf dem Sofa sitzend, in die Brust gestochen worden. Noch eines erfuhr die Kammer: Die Attacke war nicht die erste ihrer Art.
Die 50-Jährige, damals seit Stunden wartend und von starken Zahnschmerzen geplagt, schilderte die Vorgänge anders. Das lange, scharfe Küchenmesser, so berichtete die Frau, "hätte eigentlich zum Tranchieren eines gerade fertig gewordenen Bratens dienen sollen." Dann sei die Situation eskaliert. Sie habe ihrem Partner nach üblen Schimpfworten das Messer hingehalten und schließlich zugestochen. "Ich hab' das nicht gewollt", beteuerte die heute 51-Jährige.

Nachbar hilft

Danach zog sie die Klinge aus der Wunde, reinigte die Tatwaffe, erbat Hilfe bei einem Nachbarn. Dessen Einsatz war lebensrettend. In Sofortmaßnahmen ausgebildet, legte der Mann dem 48-Jährigen einen Druckverband an. Dabei drängte sich ihm der Verdacht auf einen Lungenschaden auf. Diese Annahme war berechtigt. Kurz darauf fuhren Notarzt, Sanitäter, Polizei vor, landete ein Rettungshubschrauber und flog den Verwundeten nach Regensburg. Dort sagte er später der Polizei: "Ich bin selbst ins Messer gefallen." Auch die Täterin machte zunächst solche Angaben. Dass die 15 Jahre andauernde Lebensgemeinschaft nach dem Vorfall abrupt endete, bezeichneten sowohl das Opfer als auch seine ehemalige Partnerin als "wirklich gut."
Versuchter Totschlag oder gefährliche Körperverletzung? Staatsanwältin Silvia Schatz verneinte zwar eine Tötungsabsicht, strich aber andererseits heraus, dass der Stich eine lebensbedrohende Situation für den 48-Jährigen mit sich gebracht habe. Dass die Frau bisher nicht vorbestraft war, wertete die Anklagevertreterin positiv und sie rechnete der Beschuldigten auch das Geständnis an. Ihr Strafantrag: "Drei Jahre Haft."

Die Anwälte Pamela Wetzstein (Teublitz) und Willi Frank (Regenstauf) baten die unter Vorsitz von Roswitha Stöber tagende Kammer um eine Bewährungsstrafe für ihre Mandantin, fanden aber kein Gehör. Die 51-Jährige bekam wegen gefährlicher Körperverletzung zweieinhalb Jahre Haft. Bewährung war bei einer solchen Strafhöhe nicht mehr möglich.

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