Aufruf der Gewerkschaft stößt bei über 400 Grammer-Beschäftigten auf offene Ohren
Metaller zeigen Warnstreik-Flagge

Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Rösl (rechts) nahm zufrieden zur Kenntnis, dass der weit überwiegende Teil der Grammer-Beschäftigten dem Aufruf zu einem einstündigen Warnstreik gefolgt war. Als humorvoll-ironischen Seitenhieb hatte er die Losung "verbraten können wir das Geld selbst" ausgegeben und wartete bis 12 Uhr mit kostenlosen Bratwurstsemmeln zur Überbrückung der Arbeitsniederlegung auf. Bild: Steinbacher
(zm) Es kam, wie es offenbar kommen musste. Mit ersten Warnstreiks untermauerte am Donnerstag die IG Metall in der laufenden Tarifrunde ihre Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn. Dem steht momentan arbeitgeberseits ein Angebot von 2,3 Prozent gegenüber. Für eine Stunde legten deshalb vor dem Haselmühler Stammwerk von Grammer Beschäftigte die Arbeit nieder. Die Verhandlungen werden am 8. Mai fortgesetzt.

Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Rösl machte unter seinen Kollegen einigen Unmut aus. "Die Motivation ist da", las er an der Beteiligung an dem Warnstreik ab und unterstrich: "Unsere Forderungen sind durchaus gerechtfertigt." Auf hinlänglich bekannte Beschwichtigungsformeln der Unternehmerseite könnten die Beschäftigten durchaus verzichten, "uns ist es ernst". Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, Horst Ott, hatte bereits in der vergangenen Woche anlässlich der Delegiertenversammlung seines Gewerkschaftsbezirks bedauert, zu den üblichen Ritualen einer Tarifauseinandersetzung greifen zu müssen. Für ihn wäre es ein Zeichen der Wertschätzung der Arbeitnehmer und ihrer Leistungsbereitschaft gewesen, sich am Verhandlungstisch einigen zu können.

"Da geht noch mehr"

Doch es habe nicht sollen sein. "Das gibt uns in den Gesprächen den nötigen Rückenwind", freute Ott sich umso mehr, dass es keinerlei gewerkschaftlicher Überredungskünste bedurft hätte, beeindruckende Warnstreikzeichen zu setzen. So liefen bereits in der Nachtschicht zum Donnerstag in Bayern die ersten Arbeitsniederlegungen an, fortgesetzt bei Hamm in Tirschenreuth und um 11 Uhr dann bei Grammer. Nach Gewerkschaftsangaben waren 425 Beschäftigte dem Aufruf gefolgt.

Ott kündigte für vier Tage in 22 Betrieben Warnstreiks an, die von der Arbeitgeberseite als Demonstration der Kampfbereitschaft der Arbeitnehmer wie der IG Metall verstanden werden sollten. Ansonsten müssten sich die noch nicht einigen Parteien zur Urabstimmung wiedersehen, an deren Ausgang für den IG- Metall-Bevollmächtigten keinerlei Zweifel bestehen. Auch hier stünde der Fahrplan mit dem 14. Mai schon fest. Und wenn der 8. Mai kein Ergebnis mit sich bringe, dann sei halt "zwei Stunden früher Feierabend", stellte Ott darüber hinaus noch eine eventuelle Verschärfung der Warnstreik-Gangart in den Betrieben in Aussicht.
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