16.07.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

AZ-Podium gründet flankierende Ideenwerkstatt für Regensburgs Bewerbung Amberger Kreativreaktor

Ein kleiner Schritt fürs AZ-Podium, ein großer für Amberg: Bei der Diskussion am Mittwochabend im historischen Saal der Herrnstuben riefen Kulturreferent Norbert Fischer, Stadtmarketing-Chefin Heidemarie Sander, PWG-Boss Andreas Raab, GMG-Direktor Edward König und Künstler Achim Hüttner ein Ideen-Forum ins Leben. Nach dem Motto "Wir unterstützen Regensburgs Bewerbung als Kulturhauptstadt und helfen uns damit selber."

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Kulturreferent Norbert Fischer machte deutlich, dass er das kulturelle Engagement der Bürger unabhängig vom Erfolg der Regensburger Bewerbung unterstützen möchte: "Ich sehe zum Beispiel für 2006 große Chancen, dass wir mit unserer Bewerbung als WM-Quartier für eine Nationalmannschaft berücksichtigt werden." Aus Sicht des städtischen Kultur- und Sportministers eine erste Gelegenheit, den Blick der Öffentlichkeit auf die Stadt zu lenken. "Wir werden das nutzen und haben vor, 2006 als Jahr der Fantasie auszurufen, an dem sich jeder beteiligen kann."

Salz-, Eisen-, Goldstraßen

Einig waren sich am Podium alle darüber, dass eine europäische Kulturhauptstadt in 65 Kilometern Entfernung eine große Chance für Amberg bieten würde - diskutiert wurde allein der Weg, wie wir uns von der Vils aus der Donaustadt annähern könnten.

An historischen und geografischen Modellen mangelte es dabei nicht. PWG-Chef Raab verdeutlichte mit einer Skizze die Lage Ambergs auf der Magistrale Paris-Prag: "Wir liegen mitten drauf!" Während sich Regensburg zu Recht an der Donau-Achse Richtung Budapest orientiere, könne Amberg den bayerisch-böhmischen Raum mit einbinden: "Die Salzstraße, die Eisenstraße und die Goldene Straße waren Verbindungslinien zwischen den Regionen."

Stadtmarketing-Vorsitzende Heidemarie Sander möchte in diesem Zusammenhang die bestehenden Städte-Partnerschaften reaktivieren: "Ich könnte mir thematische Kooperationen von Vereinen und kulturellen Institutionen vorstellen - auch mit besonderen Schwerpunkten wie etwa Bergbau, der bei uns ja immer eine große Rolle gespielt hat."

GMG-Direktor Edward König hält den historischen Zusammenhang für zweitrangig: "Wir Schulen sind die Zukunft, der Kreativreaktor - und mit unseren vielen tausend Köpfen können wir die Kommunikation der Ideen leisten." Achim Hüttner möchte die Kunst als Botschafter für die Stadt Amberg engagieren: "Zusammen mit Norbert Fischer schicken wir unsere Kunstpostkarten an die Kulturreferate anderer Städte." Der Kontakt zur Regensburger Kulturszene sei ohnehin gut, Hüttner plant schon seit längerem eine Ausstellung im dortigen Leeren Beutel.

Die engagierte Diskussion aller Teilnehmer zeigte: An individuellen Kulturinitiativen fehlt es nicht. Vera Rittner von Philia beklagte freilich, dass außergewöhnliche Veranstaltungen, wie ihre Theateraufführung mit 30 griechischen Studenten, in Amberg auf zu wenig Resonanz stoße: "Es ist schade, dass wir das nur in einer Schule und vor 60 Leuten machen konnten. Im Stadttheater wäre das sicher besser angenommen worden."

Achim Hüttner folgerte aus dieser Erfahrung: "Wir müssen die bestehenden Aktivitäten besser bündeln. Wenn das Ganze in einen Ideenpool einfließt, der insgesamt die Kulturstadt Amberg in einem besseren Licht erscheinen lässt, wird auch die Sensibilität für jeden einzelnen Programmpunkt größer." Bei aller Sympathie für die Bündelung kleinerer Kulturprojekte insistierte Event-Unternehmer Andreas Raab auf ein übergeordnetes Highlight: "Das ist alles wirklich positiv, nur haben das andere Städte alle auch. Was wir brauchen, ist ein Festspiel wie in Bregenz oder Oberammergau. Das Vils-Theater hat bewiesen, dass man mit vollem Einsatz vieler Akteure eine große Geschichte inszenieren kann."

Theater im Fluss

Emilie Leithäuser unterstützte diese Auffassung und ergänzte: "Man könnte den ,Tod und das Mädchen' als Kernstück einer mehrtägigen Reihe dauerhaft etablieren." Auch Norbert Fischer hält das grundsätzlich für den richtigen Weg und bringt ein geplantes Musical mit ins Spiel: "Ich möchte da noch nicht viel drüber sagen, aber wir bereiten derzeit mit der FH in der Richtung was vor." Der Amberger Kulturpapst sieht das freilich nicht in Konkurrenz zu anderen Inszenierungen: "Je vielfältiger, desto besser!"

Das Resümee: Fischer möchte sich auf alle Fälle in den Ideenpool mit einbringen: "Je mehr Bürger aktiv mitarbeiten, um so besser fürs Kulturleben der Stadt." Hüttner verspricht, dass auch die bildenden Künstler bei dem Projekt nicht abseits stehen werden: "Wir könnten zum Beispiel einen Flyer mit den Kunst-Ergebnissen entwerfen." Sander kann sich gut vorstellen, mit dem Stadtmarketing-Verein bei den Städte-Partnerschaften mit anzuschieben: "Ich denke da auch an die Beziehungen zur ungarischen Bergbaustadt Tatabanya." König lässt sich nicht lumpen und verspricht schulische Unterstützung: "Zur Not mit allen Schulen der Oberpfalz." Raab sieht auch die PWG im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten in der Pflicht und fordert die AZ auf, die Idee weiterzuverbreiten: "Nicht nur in der Stadt, alle Vereine und Initiativen des Landkreises sind hier gefordert."

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