20.01.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Bertin Eichler beim DGB: Klares Nein zu Mehrarbeit ohne Lohnausgleich "35" auf der Abschussliste

"Hände weg von der Tarifautonomie": Diese Devise gab IGM-Hauptkassier Bertin Eichler am Freitagabend beim Neujahrsempfang des DGB, Region Oberpfalz Nord, aus. Öffnungsklauseln seien bislang nur vertagt worden - "aber vom Tisch sind sie noch nicht", warnte der Gewerkschaftsvertreter.

von Heike Unger Kontakt Profil

"Solange BDI-Präsident Michael Rogowski davon träumt, die Tarifverträge und die Betriebsverfassung, wie er sagt, im Lagerfeuer zu verbrennen, solange er und andere aus der Wirtschaft und der Opposition bereit sind, die grundsätzlich geschützte Tarifautonomie auf dem Altar des Profits zu opfern, solange können und dürfen wir uns nicht in Sicherheit wiegen", so der Appell Eichlers an die DGB-Gäste. Rund 100 von ihnen waren der Einladung der Gewerkschaft gefolgt, darunter auch Ludwig Stiegler, der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, und MdB Rudolf Kraus (CSU) sowie etliche weitere Mandatsträger und Vertreter verschiedener Institutionen.

Mit Blick auf die (an) laufenden Tarifrunden betonte Eichler, die Arbeitgeber fühlten sich derzeit "stark wie nie" - "das hat zu tun mit der Niederlage beim Streik im Osten". Allerdings warnte er davor, zu glauben, "die Gewerkschaft wäre geschwächt und nicht handlungsfähig". Ganz oben auf der "Abschussliste" der Arbeitgeber - die dabei "reichlich Unterstützung aus Teilen der Politik" erhielten - stehe nun die 35-Stunden-Woche. Dabei würde laut Eichler eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche "allein in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie 55000 Arbeitsplätze vernichten" - bundesweit wären es 430000.

Dazu stellte Eichler klar: "Die Zeit genereller Verkürzungen oder Verlängerungen ist vorbei", denn "das eine ist so falsch wie das andere". Die IGM sei sehr wohl kompromissbereit, sage aber Nein zu längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. Wer die Tarifrunde mit der Frage der Arbeitszeitverlängerung verknüpfe, "der will offensichtlich keine konstruktive Lösung, sondern sucht einen Konflikt".

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