19.01.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Bertin Eichler, Hauptkassier der IG Metall, zur Arbeitsplatz-Situation im Raum Amberg-Sulzbach ... Keine rosigen Aussichten für die Region

von Heike Unger Kontakt Profil

Er war gerne zurück in seinen Heimatraum gekommen, um beim Neujahrsempfang des DGB, Region Oberpfalz Nord, zu sprechen: Bertin Eichler. Der Hauptkassier der IG Metall mit Arbeitsplatz in Frankfurt machte dabei am Freitagabend im Malteser-Saal Anmerkungen zur aktuellen Arbeitsmarkt-Situation, zu den Tarifrunden und zur Lage im Raum Amberg-Sulzbach - verbunden mit Kritik an die Adresse der Arbeitgeber, aber auch an den Gewerkschaften (mehr dazu auf Seite 19).

Wirtschaftlich sieht es nach Eichlers Auffassung gerade in der Oberpfalz "schlecht aus": Für ihn eine Folge der Stoiberschen Politik, die starke Branchen und Regionen wie Oberbayern und den Großraum München fördere, aber schwache Landesteile wie die nördliche Oberpfalz vernachlässige. "Alleine in den letzten drei Jahren gingen im Bereich der IG Metall Amberg fast 1200 Arbeitsplätze in Betrieben mit Betriebsrat verloren", bilanzierte Eichler. Fast 1600 weitere Stellen seien vernichtet worden, weil Betriebe geschlossen wurden oder in Konkurs gegangen sind - "hinzu kommen noch die 800 Arbeitsplätze beim Stahlwerk der Maxhütte". Aktuell spitze sich die Lage bei Grammer zu, sagte Eichler und verwies auf die für 2004 beschlossenen Kostensenkungen in Höhe von 17 Millionen Euro, die geplante Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Tschechien sowie die zusätzliche Gefährdung von weiteren 200 Stellen.

Kritisch sei auch die Situation beim Maxhütte-Rohrwerk: "Die Auftragslage ist schlecht, die Ergebnisse sind tief rot, die Zukunftsperspektive ist alles andere als rosig". Obwohl die Beschäftigten aufgrund des Sanierungsvertrags Vorleistungen von jährlich einer Million Euro erbrächten, sei dies der Unternehmensleitung nicht mehr genug. Sie wolle bei den Lohn- und Gehaltskosten eine weitere Million einsparen.

"Das ist keine Alternative, das ist schlichtweg Quatsch und vor allen Dingen kein Unternehmenskonzept", so Eichlers Kommentar. Die IG Metall fordere die Einhaltung des Sanierungsvertrags seitens der Unternehmensführung und ein "tragbares Konzept" - "sonst sehe ich die Gefahr, dass das Rohrwerk trotz allen Verzichts nicht überleben wird. Und dann haben wir ein weiteres riesiges Problem".

Mit Blick auf das Stahlwerk Maxhütte erinnerte Eichler an das Versprechen des Ministerpräsidenten, der Freistaat werde 28,6 Millionen Euro für Sozialmaßnahmen, Rückbau und Strukturpolitik ausgeben. "Tatsache ist jedoch: Kein Kollege der Maxhütte wurde bis heute für den Rückbau eingesetzt. Ersatzarbeitsplätze wurden nicht geschaffen und noch immer sind 300 Kollegen oder mehr ohne Arbeit", kritisierte der IGM-Vertreter.

Gleichzeitig sei "von den 4,2 Millionen Euro, für die das Stahlwerk von der Familie Aicher ersteigert wurde, bislang kein Cent geflossen". Dazu stellte Eichler eine Forderung, die mit lautem Applaus bedacht wurde: "Wir erwarten von der Politik keinen Kniefall vor der Familie Aicher, sondern aktive Beschäftigungs- und Strukturpolitik."

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