08.12.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Bruder per Facebook heftig beleidigt - Geldauflage von 2500 Euro Familienzwist geht weiter

Manchmal gerät ein Strafjurist in die Rolle des Friedensrichters. Das ist zwar generell nicht seine Aufgabe, wird aber unvermeidbar, wenn es darum geht, den Haussegen in einer Familie nach mancherlei Fehden wieder zurechtzurücken. Das Unternehmen, mit dem sich Amtsrichter Markus Sand zwangsläufig konfrontiert sah, scheiterte allerdings.

von Autor HWOProfil

Es ging um Beleidigungen übler Art. Ein 41-Jähriger hatte sie bei Facebook ins Netz gestellt und dabei seinen jüngeren Bruder zur Zielscheibe von Verdächtigungen und Bezeichnungen wie "Hurensohn" gemacht. Der so ins Zwielicht geratene Mann erstattete Strafantrag und nahm ihn jetzt auch vor Gericht nicht zurück. In der Regel pflegt die Staatsanwaltschaft, familienintern ausgetragene Verbalentgleisungen auf den Privatklageweg zu verweisen. In diesem Fall nicht. Grund: Der 41-Jährige hatte einschlägige Vorstrafen, er stand unter Bewährung. Deswegen wurde jetzt verhandelt, wobei der Angeklagte versicherte: "Ich wollte mir einfach meinen Frust von der Seele schreiben und habe nie beabsichtigt, das öffentlich lesbar zu machen. Was geschehen ist, tut mir leid."

Vor der Verhandlung hatte Verteidiger Jörg Jendricke einen Brief an den Bruder des Beschuldigten geschrieben und darin das Bedauern des 41-Jährigen zum Ausdruck gebracht. Doch dieses Schreiben mochte der Adressat nicht akzeptieren. Er stellte Bedingungen und wollte vor allem, dass sein Bruder eine Alkoholtherapie macht. Dieses Zugeständnis aber kam nicht und Richter Markus Sand sah keinen Anlass, von sich aus eine solche Maßnahme anzuordnen.
Einer Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage mochte Staatsanwalt Tobias Kinzler anfangs nicht zustimmen. Dann tat er es doch. Womit das Verfahren zu einem Ende gebracht werden konnte. Der 41-Jährige zahlt 2500 Euro, entgeht damit einer weiteren Vorstrafe und dem im Raum stehenden Bewährungswiderruf. Die Familienfehde aber schwelt weiter. Richter und Staatsanwalt hatten sich in der Verhandlung vergeblich darum bemüht, zu den Wurzeln dieser Auseinandersetzung vorzustoßen.

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