12.05.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Crystal Speed bringt unbescholtenen Landwirt vor Gericht - Therapie ein Pluspunkt im Prozess Bewährung für späte Einsicht

Der Mann ist gerade dabei, sich von seiner Drogensucht zu befreien. Weil er dies aus eigenem Antrieb heraus tut, schickte ihn das Amberger Schöffengericht nicht hinter Gitter und ließ es mit einer Bewährungsstrafe bewenden. Der 29-Jährige war im vergangenen Jahr immer wieder zu tschechischen Vietnamesenmärkten aufgebrochen, um dort Crystal Speed zu kaufen.

von Autor HWOProfil

Der Fall fiel aus dem Rahmen üblicher Drogenprozesse. Auf der Anklagebank saß ein Landwirt aus einer Amberger Stadtrandgemeinde und gab alles zu, was ihm Oberstaatsanwalt Joachim Diesch in der Anklageschrift vorhielt.

Keine Vorstrafen, allenfalls ein paar Punkte in der Verkehrssünderkartei. Wie, so stellte sich die Frage, kommt einer wie er plötzlich mit Rauschgift in Berührung? Irgendwann im vergangenen Jahr trat eine junge Frau in das Leben des 29-Jährigen. Sie konsumierte die hoch gefährliche Droge Crystal Speed, riet ihrem neuen Freund dringend dazu, "die Finger von dem Zeug zu lassen".

Er probierte dennoch und wurde sofort süchtig. Was folgte, waren zehn von der Staatsanwaltschaft aufgelistete Fahrten, die über Waidhaus hinein nach Tschechien und dort auf Vietnamesenmärkte führten.

Mit der Freundin geteilt

Bei neun dieser Touren ließ sich der Beschuldigte jeweils fünf Gramm zum Grammpreis von 50 Euro geben, bei einer weiteren Beschaffungsfahrt sollen es nahezu zehn Gramm gewesen sein.
Die in illegalen "Speed-Küchen" hergestellte Ware wurde später in Analysen als "hochwertig" qualifiziert, sie wanderte zur Hälfte an die Freundin des 29-Jährigen.

Unterdessen hat der Landwirt längst eingesehen, dass er einen tiefgreifenden Fehler machte. Seine Familie hält zu ihm, sie brachte ihn nach eigenem Bekunden dazu, "auf eine Therapiemaßnahme zu gehen". Dort ist er momentan und wird erst zum Jahresende entlassen. Dass er sich dazu selbst durchrang, rechnete ihm das unter dem Vorsitz von Dr. Stefan Täschner tagende Schöffengericht im Urteil positiv an.

In seinem Plädoyer forderte Oberstaatsanwalt Joachim Diesch zwei Jahre Haft und räumte ein, dass Bewährung durchaus gegeben werden könne. Außerdem verlangte Diesch eine Geldbuße von 1000 Euro für eine Autofahrt, bei der Polizeibeamte den 29-Jährigen unter Drogeneinfluss am Steuer angetroffen hatten. Nach dieser Kontrolle wurde genauer nachgeforscht, kamen die Beschaffungstouren nach Tschechien ans Tageslicht.
Als einen "minderschweren Fall" wollte Verteidiger Johann Sperl die Beschaffungstouren behandelt wissen. Er hielt zehn Monate für ausreichend und sprach sich für 500 Euro Buße im Hinblick auf die von der Polizei gestoppte Drogenfahrt aus. Nur in diesem Punkt orientierte sich das Schöffengericht an Sperls Antrag. Ansonsten vertrat es die Meinung des Oberstaatsanwalts und verhängte zwei Jahre zur Bewährung.

Crystal-Küchen brodeln

Die Verteidigung der Rechtsordnung gebiete ein Durchgreifen im Hinblick auf Delikte mit Crystal Speed, sagte Richter Täschner in der Urteilsbegründung. Nahezu zeitgleich lief im Rundfunk eine Reportage, bei der es um gemeinsame Razzien der deutschen und tschechischen Sicherheitsbehörden auf Asienmärkten in Grenznähe ging.

Ergebnis dabei: Der Speed-Sumpf ist angesichts eines hochkriminell arbeitenden Netzwerks nicht auszutrocknen, in den Crystal-Küchen brodelt es weiter.

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