Decker-Mädchen zeigen witzig, wie schwierig oft der Alltag im Schultheater ist - "Die Probe" ...
Wenn der Arzttermin den Mord schmeißt

Es ist für Spielleiter und Mitwirkende mitunter zum "Wahnsinnigwerden", wenn einer oder gar mehrere aus dem Team überhaupt nicht in den Rahmen passen wollen oder mit ihren Befindlichkeiten sogar aus selbigem fallen. Bild: Steinbacher
Ein Schultheaterensemble studiert Schillers Stück "Die Räuber" ein. Was wird dabei wohl herauskommen? Bei der Theatergruppe der sechsten bis achten Jahrgangsstufen der Dr.-Johanna-Decker-Schulen ein munteres Bühnenwerk, das so manche Erinnerung an nervenaufreibende Proben beim Schultheater aufkommen ließ.

Spielleiter Andreas Hilgart und seine Mädchentruppe führten dem Publikum vor Augen, wie es im Probenraum wirklich zugeht in den Wochen vor dem großen Tag der Aufführung. Das von einem Autorenteam (Tia Stoll, Adriana Stanciu, Veronika Thomann, Andreas Hilgart) selbst erarbeitete Stück "Die Probe" zeigte neben echtem O-Ton aus Schillers "Die Räuber" Szenen aus dem Alltag, wie sie jeder Spielleiter bei jeder Probe jedes Mal wieder erlebt.

"Darf ich mal aufs Klo?"

Da braucht man auch als "Chef" auf der Bühne (Jessica Bin) schon starke Nerven, wenn Hermann (Adriana Stanciu) - in den "Räubern" der Bastard - plötzlich anfängt, herumzuzicken: "Immer kriege ich die Männerrollen!" Oder eine Szene ganz dringend unterbrochen werden muss: "Darf ich mal aufs Klo?" Und natürlich stolpern die Schauspielerinnen zur rechten Zeit über Schillers altertümliche Sprache. So freut sich der fiese Franz (Tia Stoll), der den alten Moor (Anna Sauerbeck) um die Ecke bringen will: "Dann bin ich der Chef", bis es ihm endlich schwant: "Nein, Chef haben die damals noch gar nicht gesagt."
Auch die schöne Amalia (Jenny-Lee Piechaczek) muss vom Spielleiter immer wieder ermahnt werden, den Text nicht so zu leiern. Die Szenen mit den Räubern (Laura Porst, Leonie Kellner, Julia Schmidbauer und Lara Schug) und Diener Daniel (Anna Donhauser) hätten dagegen fast schon perfekt geklappt, wenn man im Eifer des Gefechts nicht vergessen hätte, die Rolle des Kosinsky zu besetzen. Na toll. Und dass es nicht mehr bis zum bitteren Ende kommt, bei Schiller ersticht Karl (Simone Deinzer) seine Amalia, ist nur dem - im Vergleich zu einer Schultheaterprobe - weitaus wichtigeren Termin beim Kieferorthopäden geschuldet.

Flott und überzeugend

Ja, so ist das halt bei Theaterproben mit Schülern. Die Realität auf witzige Weise auf die Bühne gezaubert, das ist das Verdienst der ganzen Gruppe. Die kurzweilige und von allen Darstellerinnen flott und überzeugend gespielte "Probe" ließ wohl so manchen Zuschauer zu der Erkenntnis gelangen, dass die Götter vor den Erfolg eines gelungenen Schultheaterabends den Schweiß gesetzt haben.
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