23.07.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Der Freistaat möchte den Fluss von der Quelle bis zur Mündung für den "Europäischen ... Wird die Vils eine EU-Natur-Sperrzone?

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Ob Vils-Theater oder Brücke über den Fluss - sollte sich der Freistaat mit seiner Vorstellung durchsetzen, unterliegt schon bald der gesamte Flusslauf verschärften Naturschutzgesetzen - jedes Vorhaben müsste vor diesem Hintergrund strengstens geprüft werden. "Es ist schon schade, dass wir so eine Diskussion über ein Gewässer führen müssen, das mitten durch die Stadt fließt", kritisiert CSU-Stadtrat Matthias Schöberl die Staatsregierung, "die trotz ihrer Subsidiaritäts-Beteuerungen die Kommunen in keinster Weise angemessen berücksichtigt".

Messerscharf gefolgert

Rechtsreferent Otto K. Dietlmeier hatte am Mittwoch im Umweltausschuss dargelegt, dass sich die Stadt mit fachlichen Einwänden gegen eine komplette Einverleibung der Vils in den Europäischen Biotop-Verbund "Natura" wehre. Zweifel bestünden etwa darüber, ob die vom Freistaat als Indikatoren für ein besonders schützenswertes Biotop benannten Tierarten wie die Grüne Keiljungfer, eine Libelle, oder die Fische Bitterling und Groppe wirklich an oder in der Vils beheimatet seien: "Daraus hat unsere Untere Naturschutzbehörde messerscharf gefolgert - ,mag ja sein, dass diese Fische in der Naab und in der Lau-terach vorkommen, in der Vils ist die Fließgeschwindigkeit viel zu gering."

Und selbst wenn man diese Libellenart hier "mal gesehen" habe, sei deren Aktionsradius von zwei Kilometern zu gering, um von einer "Vernetzung der Libellenlebensräume im Allgemeinen" ausgehen zu können. Dennoch stünden nach Einschätzung des Rechtsreferenten die Chancen, dass diese Einwände vom Umweltministerium gewürdigt würden, nicht allzu gut.

Schließlich sei der Freistaat im Rahmen des Dialogverfahrens zur Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie unter "Nachmeldedruck" - mit anderen Worten: Der Trick der Staatsregierung, einfach mal ganze Flusssysteme zu melden, entledigt sie der lästigen Pflicht, mühsam nach geeigneten Flächen Ausschau zu halten.

Gegen eine solche Entscheidung seien keine Rechtsmittel möglich. Dietlmeier: "Es entsteht ein riesiges Verwaltungsverfahren, obwohl die Wertigkeit materiell nicht gegeben ist."

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