30.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Der Helm des Martinsturmes bekommt ein neues Kleid - Rötlich glänzendes Kupferblech Abschied von der grünen Haube

Auf dem Marktplatz ist es fast windstill. 92 Meter höher hat Josef Beer in den kräftigen Böen Mühe, seinen weißen Sicherheitshelm festzuhalten. "Jetzt sind wir da", schnauft der Kirchenpfleger mit einem Lächeln im Gesicht, als sich die metallene Wetterfahne ruckartig dreht und fast seinen Kopf streift.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Seit drei Wochen ist der Turm fertig eingerüstet, am Montag beginnt die Sanierung des kupferbeschlagenen Helmes. Architektin Carola Setz bereitet die Amberger schon jetzt auf den Abschied von einem gewohnten und liebgewonnenen Anblick vor: "Das grüne Dach der Kuppel wird schon bald der Vergangenheit angehören." Spätestens im Sommer 2015 zeigt sich die "welsche Haube" des Turmes in hellem Rot-Ton. "Das neue Kupferblech auf der Kuppel wird die ersten Tage und Wochen in der Sonne glänzen und richtig leuchten", erklärt Setz. Nach etwa zwei Monaten dürften Wind und Wetter den Beschlag so weit abgestumpft haben, dass die Turmspitze braun erscheint - und das über die nächsten Jahrzehnte hinweg. "Erst viel später wird sich dann wieder eine grüne Patina bilden."

Die Turm- und Fassadenrenovierung der Basilika ist ein Jahrhundertprojekt. Nicht von den Kosten her - die veranschlagte Summe von 5,7 Millionen Euro erscheint im Vergleich zu anderen Bauprojekten in der Stadt eher mickrig - aber aus dem Blickwinkel der Architektur. Zum ersten Mal in seiner fast 300-jährigen Geschichte erfährt der barocke Turm eine Generalsanierung. Allein der Gerüstbau, der dafür nötig ist, stellt eine logistische und technische Meisterleistung dar. Mit der Berechnung der Standfestigkeit war ein Statiker beauftragt. Seine Expertise, die genau festlegt, wie viele Stangen an welchen Stellen verschraubt werden müssen, ist rund 1000 Seiten dick.

Blitz- und Hagelschlag

Katrin Schmidl vom Amberger Ingenieurbüro Adelmann, Landgraf, Schlüter ist für die Tragwerksplanung zuständig. "Wir haben schon viele Kirchen saniert", sagt sie. "Aber das ist eine ganz besondere Herausforderung." Schmidl kennt das mittelalterliche Bauwerk mittlerweile in- und auswendig, vom Fundament bis hinauf zur Wetterfahne.

Die Fahne, so erzählt sie, ist an eine vier Meter lange Eisenstange montiert, die in einem Pfahl aus Eichenholz, dem sogenannten Kaiserstiel - steckt. "Wir gehen davon aus, dass er erneuert werden muss." Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie oft Stürme an der Befestigung gerüttelt und Blitze in die Spitze des höchsten Gebäudes der Stadt eingeschlagen haben. "Es gab schon immer Blitzableiter auf dem Turm. Solange der Strom abgeleitet werden kann, ist das kein Problem für die Konstruktion", erklärt Schmidl. Architektin Setz geht davon aus, dass Teile der 600 Quadratmeter großen Kupfereindeckung noch aus der Bauzeit um das Jahr 1720 stammen. Den Metalltafeln ist ihr Alter deutlich anzusehen. Hagelschlag hat seine Spuren hinterlassen, Gewehrkugeln haben das Kupfer durchschlagen. "An einigen Stellen ist auch schon mal was erneuert worden", weiß Setz. In den 1920er Jahren gab es sporadische Ausbesserungen - allerdings ohne aufwendigen Gerüstbau. Die Spengler stiegen damals bis zur Laterne unter die Wetterfahne hinauf und seilten sich von dort aus ab.

Der Zimmerer fängt an

In den kommenden Tagen geht es aber erst einmal um das Innenleben der Haube. "Wir haben uns das Ganze ja schon intensiv angesehen. Da erwarten wir keine großen Überraschungen", sagt Ingenieurin Schmidl. Etliche Balken sind von Pilzen und der Moderfäule befallen. Die Zimmerer von der Firma Schedl aus Windischeschenbach sägen die schadhaften Stellen heraus und setzen neues Holz ein. "Der Holzwurm ist kein Thema. Der hat den Martinsturm gemieden."

Josef Beer ist hellauf begeistert, obwohl die Wetterfahne bedrohlich knarzend gegen den Wind ankämpft und völlig unvermittelt die Richtung wechselt. "Dass ich einmal in meinem Leben hier oben stehen werde, hätte ich nie gedacht." Wenige Minuten später freut sich der Kirchenpfleger noch mehr: Als er wieder festen Boden unter den Füßen hat.

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Bildergalerie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/martinsturm

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