08.01.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Die Frage vor Gericht lautet: Wer schlug vor einem Wirtshaus zu? - Die Beschuldigten sagen: ... Vater und Sohn wollen es nicht gewesen sein

von Autor HWOProfil

Wirklich spannend, diese Geschichte. Zumal die Positionen der beiden Angeklagten, des Geschädigten und etlicher Zeugen selten so weit auseinanderklafften wie im besagten Fall. "Wir waren überhaupt nicht dort", sagen Vater und Sohn als Beschuldigte. "Ich bin übel geschlagen worden", hält ein 22-Jähriger dagegen und unterstreicht, er würde einen der Männer "fast hundertprozentig wiedererkennen".

Es gibt Gastwirtschaften, die haben mit Ausnahme einstündiger Putzpausen rund um die Uhr geöffnet. Vor einem solchen Amberger Lokal spielte sich im Januar 2012 eine Auseinandersetzung ab, die nun für die Staatsanwaltschaft eine gefährliche Körperverletzung darstellt. Sie nahm zwei Männer ins Visier und holte beide - einen 44-Jährigen und dessen 20 Jahre alten Sohn - auf die Anklagebank. Dort sitzen sie nun, zeigen sich verwundert über den Vorwurf und werfen in Justitias Waagschale: "Als die Schlägerei stattfand, sind wir längst fort gewesen."

Zu Boden gestreckt

Sie wollen in der ersten Morgenstunde mit einem Mietwagen heimgefahren sein. Die Auseinandersetzung bahnte sich gegen 8 Uhr morgens vor dem Wirtshaus an. Den mit einem Hieb an die Schläfe zu Boden gestreckten und dann mit weiteren Faustschlägen gegen den Kopf heftig malträtierten 22-Jährigen wollen beide "noch nie im Leben gesehen haben." Der aber ist, als Zeuge im Prozess unterdessen vernommen, überzeugt: "An den Älteren erinnere ich mich fast hundertprozentig." Der Mann sei angetrunken aus dem Lokal gekommen, habe etwas gesagt und dann auch gleich zugeschlagen.
Und sein Begleiter? Der, so hörte die Richterin, habe ebenfalls Hiebe ausgeteilt. Doch ob es sich konkret um den mit auf der Anklagebank sitzenden 20-Jährigen handelte, konnte der damals Geschlagene nicht eindeutig sagen. Eine Reihe von Zeugen wollen zwar Beobachtungen gemacht haben, doch genau identifizieren konnten sie die mutmaßlichen Täter nicht. Beide blieben dabei: "Wir kennen den nicht und waren längst daheim."

Viel Arbeit für Polizei

Noch verwirrender wurde alles, als ein privater Wachmann, der angeblich einen der Schläger zurückgedrängt hatte, von der Richterin befragt wurde. Seine Darstellung: "Ich habe niemanden zurückgedrängt, weil ich erst gekommen bin, als alles vorüber war." Ein Amberger Polizist hat nun viel Arbeit vor sich. Im Auftrag der Richterin muss er zu Nachermittlungen ansetzen. Der Beamte soll den damals tätig gewordenen Mietwagenfahrer ausfindig machen, Besitzer und Wirt des Gasthauses vernehmen, die Angaben einer nahen Verwandten eines der Beschuldigten niederschreiben. Angeblich war sie damals am Tattag und zur Tatzeit in der Wohnung, zu der sich die Angeklagten ihren Angaben zufolge hatten chauffieren lassen.

Wer immer auch zuschlug: Das Opfer trug erhebliche Verletzungen davon, die im Klinikum behandelt werden mussten und zu einem mehrtägigen Krankenlager führten. Zumindest das steht fest. Mehr aber auch schon nicht.

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