05.08.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Die kuriosen Begleitumstände eines Prozesses Club, Bayern und ein Autohaus-Einbruch

von Autor HWOProfil

Das Spiel des 1. FC Nürnberg gegen die Bayern war ausverkauft. Kurz vor dem Anpfiff erschienen zwei Herren aus dem Raum Amberg, nahmen auf ihren Sitzen im Nürnberger Stadion Platz und wurden nicht lange danach von Polizeibeamten zur Wache gebeten. Ein peinlicher Vorgang. Denn die Tickets waren beim Einbruch in ein Amberger Autohaus gestohlen worden.

Keiner der Einbrecher

Die Männer gingen anstandslos mit und wurden später Amberger Kriminalbeamten übergeben. Die setzten zu umfangreichen Befragungen an und brachten heraus: Keiner von beiden war der Autohaus-Einbrecher. Einer von ihnen hatte die Karten für das bayerische Bundesligaderby wenige Wochen vor Weihnachten vergangenen Jahres eher durch Zufall erhalten und für 50 Euro erworben. Ein Dumpingpreis. Doch darüber hatte sich der Fußballfan eher wenig Gedanken gemacht.

Die Fahnder forschten gewissenhaft nach. Sie ermittelten: Beide Eintrittskarten waren dem später mit einem Freund ins Nürnberger Stadion gefahrenen Mann in einer Sulzbach-Rosenberger Wohnung verkauft worden. Dort war er zu Gast bei einer Bekannten gewesen, hatte rein zufällig Kontakt zu deren Lebensgefährten bekommen. Dieser bot an: "Tickets für Nürnberg. Kannst du haben." Kurz darauf war der Deal perfekt.
Der eigentliche Kartenbesitzer war ein Amberger Autohaus-Inhaber. In dessen Firma war am 3. November 2012 ein Einbruch verübt worden. Neben zahlreichen anderen Sachen kamen aus dem Büro auch ein Diagnosegerät in Laptop-Form und aus dem Schreibtisch die Fußballkarten abhanden. War nun der 25-jährige Amberger, der sie für 50 Euro verhökerte, für diesen Einbruch und einen Schaden von über 5000 Euro verantwortlich?

Was sich jetzt bei einem Prozess vor der Amtsrichterin Jacqueline Sachse abspielte, trug den Stempel des Kuriosen. Der Angeklagte war persönlich nicht erschienen, er schickte seinen Anwalt Jörg Jendricke. Der ließ verlauten: "Es werden keine Angaben gemacht." Also mussten Beweise erhoben werden. Dabei spielten zweierlei Umstände eine Rolle. Erstens: Es gab keine brauchbaren Spuren am Tatort. Zweitens: Bei einer Durchsuchung in der fraglichen Sulzbach-Rosenberger Wohnung war eine Fotokamera gefunden worden, die aus dem Autohaus stammte.

Wird das genügen, um den 25-Jährigen als Einbrecher zu überführen? Staatsanwalt Jan Gallert zeigte sich überzeugt davon und sagte, schließlich habe man ja Diebesgut bei dem Mann gefunden und er habe auch die Fußballtickets verkauft. Verteidiger Jendricke hielt dagegen: "Das belegt nichts. Am allerwenigsten, dass mein Mandant der Einbrecher war."

Ein zweiter Prozesstag

In der dritten Augustwoche gibt es deshalb einen zweiten Verhandlungstag. Dann soll die Lebensgefährtin des mutmaßlichen Einbrechers und Mieterin der Sulzbach-Rosenberger Wohnung erscheinen. Der Angeklagte, das weiß man jetzt schon, kommt abermals nicht. Das darf er. Denn bei derartigen Verfahren kann ein Anwalt die Interessen des Beschuldigten vertreten.

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