29.03.2010 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Diese Tat ist 29-Jährigem nicht nachzuweisen, aber Besitz von Crystal Speed bringt ihm ...: Drogen über Gefängnismauer geschleudert?

von Autor OTCProfil

War wohl als so eine Art vorgezogenes Weihnachtsgeschenk gedacht: Am 22. Dezember 2008 wurde ein 29-Jähriger von einem Justizvollzugsbeamten dabei beobachtet, wie er vom Parkplatz aus mit einer Zwille (einer Art Steinschleuder) über die Mauern der Justizvollzugsanstalt Amberg zielte. Als der Beamte ihm etwas zurief, erschrak der Mann und flüchtete ins Auto seines Freundes. Wenig später wurden die beiden in Sulzbach-Rosenberg festgenommen.

In der Kleidung des Angeklagten konnte eine kleine Dose mit orangefarbenem Pulver, das sich später als das Betäubungsmittel Crystal Speed herausstellte, sichergestellt werden. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Polizeibeamten weitere 14,5 Gramm der gefährlichen Droge. Am Donnerstag musste sich der 29-Jährige dafür wegen unerlaubten Drogenbesitzes in nicht geringer Menge vor dem Amtsgericht Amberg verantworten. Die Mittäterschaft des 30-jährigen Fahrers konnte bislang nicht nachgewiesen werden.

Nichts gewusst und gesehen

Vor Gericht sagte dieser, dass er und der Angeklagte in die Stadt gefahren seien, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Der Angeklagte habe ihn dann gebeten, kurz beim Parkplatz der JVA zu halten. Dieser sei dann ausgestiegen und habe sich einige Minuten neben dem Auto aufgehalten, bis er plötzlich ins Auto sprang. "Fahr schnell los", habe er ihm zugerufen. Von der Tat habe er, der Fahrer, weder etwas gewusst noch - aufgrund der Dunkelheit - etwas gesehen. Obwohl weder der Richter noch die Staatsanwältin von der Unschuld des 30-Jährigen überzeugt waren, konnte ihm nichts nachgewiesen werden.
Auch der Angeklagte räumte den Vorfall mit der Zwille nicht ein und wollte, obwohl der Zeuge die Tat beobachtet hatte, dazu keine weiteren Angaben machen.

Letztendlich wurde der Versuch, die Drogen mit dem Geschoss in Umlauf zu bringen, vom Gericht nicht weiterverfolgt: In Anbetracht der anderen Straftat, nämlich des Besitzes der Droge in großer Menge, fiele diese Tat nicht weiter ins Gewicht. Den Besitz räumte der Angeklagte auch ein.

Bewährung nicht drin

So entschied das Gericht auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Strafmildernde Umstände waren laut Richter Dr. Stephan Täschner nicht gegeben, da der Angeklagte bereits mehrfach vorbestraft, nicht therapiebereit und eine Wiederholungstat zu vermuten sei. "Mit einer Bewährung hätte man Ihnen keinen Gefallen getan. Innerhalb eines Jahres wären Sie wieder hier." Ins Gewicht fiel auch die "gute Qualität" der Droge, die nach Angaben des Richter die wahrscheinlich gefährlichste auf dem Markt ist.

 

 

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