Drei Amberger holen weltweit Patienten zurück
Im Ambulanzjet um den Globus

Markus Greß (links) und Armin Troglauer auf der Gangway einer Maschine der Flight Ambulance International (FAI), die im firmeneigenen Hangar auf dem Gelände des Nürnberger Flughafens steht. Hauptberuflich sind sie im Rettungsdienst in Amberg tätig, in ihrer Freizeit absolvieren sie Ambulanzflüge. Bild: Sandig
Lokales
Amberg in der Oberpfalz
27.04.2013
279
0

Auf der Ladefläche eines Pick-Up durch eine schier endlose Wüste, ein 37-Stunden-Trip um den halben Globus, eine Temperaturdifferenz von knapp 70 Grad Celsius, weil's beim Abflug 30 Grad unter Null hat und bei Ankunft heiße 40 Grad: Nein, Weltenbummler sind Armin Troglauer (47), Markus Greß (39) und Alexander Scholz (41) nicht. Obwohl: In der Welt sind sie schon viel rumgekommen. Doch meistens sehen sie Flughäfen, Passkontrollen, Hotels - und natürlich Krankenhäuser.

Die drei Männer sind Rettungsassistenten und hauptberuflich im Rettungsdienst in Amberg tätig. In ihrer Freizeit fliegen sie für die Flight Ambulance International (FAI) mit Sitz am Nürnberger Flughafen. Mit Ambulanzjets holen sie Patienten zurück, teilweise aus den entlegendsten Winkeln der Erde. Seit 2006 hat Markus Greß knapp 300 Ambulanzflüge für die FAI absolviert, war auf allen Kontinenten, in etwa 100 Ländern. Er hat seine Stationen ebenso wie Alexander Scholz auf einer Online-Weltkarte markiert. "Ich hab jetzt 25 Prozent der Erde", erzählt Scholz.

Ins Hotel oder in die Klinik

Hauptsächlich zentriert sich das Einsatzgebiet auf den europäischen Raum, die arabische Welt, Südostasien, Afrika und Südamerika. "In Nordamerika läuft sich's aus", sagt Greß. An Bord der Ambulanzjets heben sie vom Nürnberger Airport ab. Nach der Landung auf dem Zielflughafen wird das medizinische Equipment und das Gepäck der Crew - neben den Rettungsassistenten noch Pilot und Co-Pilot sowie ein Arzt - in ein Taxi eingeladen. Danach geht's ins Hotel oder gleich ins Krankenhaus, um sich ein Bild vom Patienten zu machen. "Da erlebt man manchmal Überraschungen", weiß Alexander Scholz. Der medizinische Bericht, den die FAI-Crew vorab bekommen hat, stimmt nicht immer mit den Tatsachen überein. Schon oft ist es vorgekommen, dass der Patient doch nicht transportfähig war.
"Dann wartet man einen Tag ab und hofft, dass sich der Zustand bessert, oder bricht den Einsatz ab, weil nicht abzusehen ist, wann der Patient geflogen werden kann", erklärt Troglauer. Die Entscheidung, ob der Patient mitgenommen werden kann oder nicht, treffe der Flugarzt, wobei er im Zweifelsfall auch Rücksprache mit Medizinern in der Zentrale hält.

Über Dubai nach Mumbai

Von Moskau nach Sotschi, zurück nach Nürnberg und weiter nach Kanada. Oder von Kroatien ins australische Melbourne, von Budapest nach Sao Paulo, von Melbourne nach Dubai und ins indische Mumbai. "Teilweise sind es schon Strapazen", gesteht Armin Troglauer, setzt aber gleich hinzu: "Es sind aber Erlebnisse, die man sonst nicht haben würde." Interessant, abwechslungsreich und vielseitig: So beschreiben die drei Männer die Ambulanzflüge. Ihre Tätigkeit dabei ist "eine Weiterführung von dem, was wir hier machen", erklärt der 47-Jährige. Denn im Rettungsdienst versorgen sie Patienten und bringen sie in Krankenhäuser. Bei den Flügen für die FAI übernehmen sie erkrankte oder verletzte Menschen von Kliniken, um sie in die Heimat oder zur Weiterbehandlung in ein anderes Land zu bringen.
Und manchmal merken sie deutlich, wie hoch der medizinische Standard in Deutschland ist: beispielsweise auf einer Intensivstation auf den Kapverden. Oder in Togo, wie sich Alexander Scholz erinnert. Da bestand diese Abteilung aus einem einzigen Bett, Geräte gab es nur für die Überwachung von Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung im Blut. "Der Patient ist dann auf jeden Fall anderswo besser aufgehoben", stellt Armin Troglauer klar. "Und wenn's der Flieger ist", ergänzt Markus Greß.

Er hatte mal ein verletzte Sportlerin ausgeflogen, die war in der Klinik von den Mannschaftskolleginnen gewaschen worden, weil keine Pflegekräfte zur Verfügung standen. "Ich war schon in Krankenhäusern, da hatten die Patienten nicht mal Laken, Kissen oder Decken", erzählt der 39-Jährige. Die Männer berichten von ihren Erlebnissen in fernen Ländern und mit fremden Kulturen. Sie erzählen von zahlreichen Flügen zwischen Tunesien und England während des arabischen Frühlings, vom stundenlangen Warten in einer Rettungsstation auf Sri Lanka wegen eines schweren Unwetters, von unfreiwilligen Stopps, weil die Überflugrechte auf sich warten ließen. Greß hat erlebt, dass in Nigeria schwer bewaffnete Soldaten das FAI-Team zur Klinik brachten. Troglauer begleitete eine Patientin von Japan nach Dubai, für die tiefgekühlte Stammzellen flugsicher gemacht werden mussten.
Erfinderisch musste die Crew sein, um eine knapp 200 Kilo schwere Patientin mit gebrochenem Sprunggelenk, die angesichts ihrer Bewegungsunfähigkeit nicht mehr in der Linienmaschine nach Hause fliegen konnte, in Spanien an Bord des Jets zu bringen und in England wieder auszuladen. In Alicante behalf man sich mit einem Treppensteiger, in London musste - mangels Alternativen wie beispielsweise Gepäckförderband - ein Gabelstapler ran.

Patient auf dem Pick-Up

"Wir haben einen beatmeten Patienten auf einem offenen Pick-Up durch die Wüste gefahren und um 1 Uhr nachts unsere Geräte abgewischt, die voller Sand waren", erzählt Markus Greß. Alle drei haben schon Flüge absolviert, wo sie - inklusive Zwischenlandungen und Tankstopps - 30 Stunden und mehr unterwegs waren, durch mehrere Zeitzonen geflogen, bei klirrender Kälte gestartet und bei Bruthitze gelandet sind.

All das sind Erfahrungen, die keiner der drei Rettungsassistenten missen möchte. Alexander Scholz muss plötzlich lachen. Denn sein erster Ambulanzflug war sein allererster Flug überhaupt. Grinsend erzählt er, wie sich der Rest der Crew wunderte, "weil ich so gechillt hinten drin saß". Wenn es auch immer nur kurze Aufenthalte in fernen Ländern sind, gesehen haben die drei Amberger dennoch viel - manchmal springen ein bisschen Relaxen am Palmenstrand von Antigua, Martinique oder Mauritius, ein paar Stunden in der Glitzerwelt von Las Vegas oder Sightseeing in den Emiraten raus, ehe es mit dem Patienten zurück in dessen Heimat oder zu einem neuen Einsatzort geht.
Keiner von ihnen weiß, wie das Ziel lauten wird, wenn sie das nächste Mal wieder für die FAI fliegen werden. "Das kann überall hin gehen", sagt Greß. Armin Troglauer wird auf jeden Fall Vollkornbrot und Dosenwurst in seinem Gepäck haben. "Manchmal ist das ein wahres Sterne-Menü", meint er lachend. Das kann dann nach stundenlangem Flug, mitten in der Nacht, irgendwo am anderen Ende der Welt sein. (siehe auch Bericht über die FAI auf Seite 43, Metropolregion)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.