02.12.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Dreieinhalb Jahre Haft für Dieb und Schläger - Unterbringung in Drogenentzug angeordnet Wenn Finger zum Stichwerkzeug werden

von Autor HWOProfil

Bei ihm kam wirklich viel zusammen: Weil er diebische Streifzüge durch Amberg unternahm und gewalttätig wurde, ist ein 44-Jähriger zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Amberger Schöffengericht wies den Mann außerdem in eine Drogenentzugstherapie ein. Ein Gutachter hatte ihm erhebliche Abhängigkeit attestiert.

Es war, wenn man so wollte, eine Art "Familientreffen". Im zweiten Stock des Amtsgerichts wurde ein 50-Jähriger in Fußfesseln von der Polizei vorgeführt und konnte dann, weil noch Zeugen in seinem Prozess zu hören waren, gleich wieder ins Gefängnis zurückgebracht werden. Einen Stock tiefer saß sein jüngerer Bruder. Ebenfalls gefesselt aus der Haft hergebracht, einer stattlichen "Latte" von Straftaten verdächtig.

Der Staatsanwalt brauchte eine Weile, bis die Anklageschrift verlesen war. Es ging um einen Ladendiebstahl im Supermarkt, um die illegale Aneignung eines Geldbeutels, der in einer Damenhandtasche lag, um einen weiteren Portemonnaie-Diebstahl aus einem Transporter und letztlich um zwei erfolglose Versuche, mit geklauten EC-Karten Geld in der Amberger Innenstadt abzuheben. Dies konnte, wie das unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Ludwig Stich tagende Schöffengericht erfuhr, schon insofern nicht funktionieren, weil der 44-Jährige die PIN-Nummern nicht kannte. Die Verfahrensweise deutete aber darauf hin, dass der Beschuldigte womöglich dringend Geld für seine Drogensucht brauchte.

Originelle Rechtfertigung

Zwei Fälle rückten schließlich in den Mittelpunkt des Prozesses. An einem Tag im Mai dieses Jahres klaute der Arbeitslose ein Handy, das unweit des Klinikums in einem unversperrten Auto lag. Ein Seitenfenster des Fahrzeugs stand offen und der Dieb beugte sich mit dem Oberkörper tief ins Wageninnere, um seine Beute zu angeln. Dabei wurde er von dem eben zurückkehrenden Pkw-Besitzer entdeckt und flüchtete mit dem Telefon. "Ich hab' das Handy nicht entwendet", behauptete der 44-Jährige steif und fest. Und wieso dann das Hineinbeugen ins Auto? Was folgte, war erheiternd. Er habe keine Uhr bei sich getragen und deshalb im Fahrzeug nachsehen wollen, wie spät es denn sei, hörten die Richter vom Angeklagten. Das hatte einen sehr trockenen Konter des Vorsitzenden zur Folge. Ludwig Stich sagte: "Wirklich eine sehr originelle Art, auf die Uhr zu schauen."

Was nach dem Handydiebstahl geschah, war reiner Zufall. Der Bestohlene erkannte den Dieb in einer Spielothek wieder, ging auf ihn zu, wollte ihn fotografieren und kündigte an: "Ich gehe zur Polizei." Daraufhin gerieten beide Männer in eine Rangelei, wobei der 44-Jährige ein Taschenmesser zog und mit der Klinge mehrfach in Richtung seines Kontrahenten stach. Außerdem drückte er ihm zwei Finger fast schon stichartig in die Augen. Dieses hochgefährliche Vorgehen verursachte Verletzungen. In diesem Zusammenhang fragte Richter Stich nach: "Ist das eine besondere Masche von Ihnen?" Der Beschuldigte verneinte zwar vehement, doch es gab Unterlagen aus der Haftanstalt. Dort soll der 44-Jährige auf ähnliche Weise einen Mitgefangenen traktiert haben.

Staatsanwalt übertrumpft

Es war an der Zeit für einen längeren Aufenthalt hinter Mauern. Während Verteidiger Jürgen Mühl die Strafe ins Ermessen des Gerichts stellte, ging das Schöffengericht noch ein gutes Stück über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und verhängte dreieinhalb Jahre Haft. Parallel dazu gab es die Anordnung, den 44-Jährigen in einer Drogentherapie unterzubringen. Sie muss nach Meinung des Sachverständigen von längerer Dauer sein.

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