04.12.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Dutzende von Grabfiguren gestohlen - Drei junge Leute gestehen vor Gericht ihre Straftaten Nachts auf Friedhöfen Beute gemacht

Sie geisterten nachts über die Friedhöfe, suchten im Schein von Taschenlampen nach Beute und stahlen schwere Grabfiguren aus Guss, Messing und Bronze. Jetzt wird drei jungen Leuten - darunter auch eine Frau - der Prozess vor dem Amberger Landgericht gemacht. Sie legten umfassende Geständnisse ab und müssen nun teilweise mit langen Freiheitsstrafen rechnen.

von Autor HWOProfil

Ein ehemaliger Bestatter und dessen Freundin gingen voran, ein im Altmetallgeschäft bewanderter Kumpel folgte ihnen. Ihre Berufe kamen den männlichen Mitgliedern der Bande sehr zustatten. Der eine wusste über die Montage von Grabfiguren Bescheid, der andere kannte deren Wert im Hinblick auf das beim Schrotthändler zu erzielende Geld.

Als nun vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Amberg von Staatsanwalt Peter Jung die Anklageschrift verlesen wurde, stand sofort fest: Was nach Dutzenden dreister Diebstähle in die Kasse floss, nahm sich verschwindend gering aus gegenüber dem auf rund 100 000 Euro taxierten Wert der von den Gräbern gestohlenen Figuren. Die Serie begann im Oktober letzten Jahres, sie dauerte mehrere Wochen und wurde von Nittenau aus gestartet. Von dort brachen die Täter auf, nahmen zwei Autos mit und kamen bisweilen auch im gemieteten Kleinbus.

Die Strecken waren teilweise sehr kurz, dann aber auch wieder bis zu 40 Kilometer weit im Umkreis. Auf den Friedhöfen in Wald, Wenzenbach und Bernhardswald (alle Kreis Regensburg) begannen die Touren. Sie setzten sich später fort auf den Gottesackern in Bodenwöhr, Schwarzenfeld, Stulln und Teublitz. Auch in Neuenschwand (Gemeinde Bodenwöhr) sollten Figuren verschwinden. Dort aber störte ein aufmerksam gewordener Ortsbewohner die Täter.

1000 Euro vom Händler

Was geschah mit den Skulpturen? Am des ersten Verhandlungstag offenbarte sich: Ein Altmetallhandel im Raum Regensburg hatte eine Ladung angekauft und knapp 1000 Euro für das Schrottgewicht ausbezahlt. "Haben Sie sich da nicht gewundert?", fragte der Kammervorsitzende Dr. Wolfgang Schmalzbauer die Besitzerin des Unternehmens. Erstaunt hörte er: "Nein. Man hat mir gesagt, dass die Figuren von einem Steinmetz stammen, der sie behalten durfte, als Gräber neu angelegt wurden."

Als eine weitere Fuhre verkauft werden sollte, lehnte der Schrotthandel ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte dort bereits die Polizei vorgesprochen. Was folgte, wäre wohl nie entdeckt worden, wenn nicht am zweiten Weihnachtsfeiertag letzten Jahres eine Frau beim Spaziergang unweit des Nittenauer Stadtteils St. Martin in ein Fichtendickicht geschaut hätte. "Da lagen Dutzende von Grabfiguren", erzählte sie der Jugendkammer. Sie waren dort offenbar vorübergehend deponiert worden.
Unmittelbar nach Beginn des auf zunächst vier Tage angesetzten Prozesses gab es ein sogenanntes Rechtsgespräch zwischen dem Staatsanwalt, den Verteidigern und den Richtern. Ergebnis nach einer Stunde: Bei umfangreichen Geständnissen sicherte die Kammer dem auf der Anklagebank sitzenden ehemaligen Bestatter (28) eine Strafe von nicht über fünf Jahren zu. Im Fall seines Komplizen (22) setzten die Richter eine Zumessungsgrenze von maximal vier Jahren fest, bei der Mittäterin (18) wurde eine Höchststrafe von zwei Jahren mit Bewährung eingeräumt. Daraufhin kam es zu umfangreichen Schuldbekenntnissen.

Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt. Dann will die Jugendkammer noch drei Zeugen vernehmen, die Plädoyers hören und ihre Urteile verkünden. Weshalb die Beutezüge verübt wurden, wurde bei den Geständnissen deutlich: "Ich wollte Schulden abzahlen", ließ der ehemalige Bestatter wissen. Er sitzt gegenwärtig in Strafhaft.

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