12.12.2011 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Erlebniswanderung auf dem Mariahilfberg mit der Gruppe Dobernigl ein großer Erfolg: Wenn die Drud wieder druckt

Aberglaube und heidnische Bräuche prägten die Zeit des 19. Jahrhunderts auch in der Oberpfalz. Was gerade in den zwölf Raunächten, insbesondere in den "Losnächten" zur Jahreswende zum Tragen kam, in denen das Tor zur Anderswelt weit offen stand und die bösen Geister ihr Unwesen trieben. Zur intensiven Reise in diese Vergangenheit wurde die Erlebniswanderung am Mariahilfberg mit der Gruppe Dobernigl, die diesen Geistgestalten wieder Leben einhauchte.

von Adele SchützProfil

Dem Mariahilfberg haftet als bedeutender Wallfahrtsort der Oberpfalz eine gewisse mystische Ausstrahlung als Kraftort an. Diese Ausstrahlung hat die Gruppe Dobernigl um Oliver Enders für sich entdeckt und mit einer geschichtsträchtigen Erlebnisführung in der Natur im Sommer hier großen Erfolg eingefahren. Aufgrund der ungebrochenen Nachfrage wurde nun eine neue anspruchsvolle Erlebnisführung passend zur Advent- und Weihnachtszeit "Von Raunacht und der Wilden Jagd am Mariahilfberg" angeboten, die sich eines enormen Zuspruchs erfreut.

Elf tote Tage im Jahr

Rund 35 Teilnehmer konnte Oliver Endres zur Premiere der Reise in die Vergangenheit der Region und der Vorfahren begrüßen. Der Ursprung der Raunächte liege wohl in der Zeitrechnung nach einem Mondjahr mit 354 Tagen, dem im Vergleich zum Sonnenjahr mit 365 Tagen elf Tage und zwölf Nächte fehlten. Es seien somit elf tote Tage gewesen, von denen die Mythologie annehme, dass die normalen Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt seien und daher die üblichen Grenzen zu gewissen anderen Welten fallen würden.
In den Hutzastuben habe der Aberglaube schönste Blüten getragen. Die Luzie, der Damma mit dem Hamma, die Drud und die Wilde Jagd hob Oliver Endres als wohl bekannteste böse Geister heraus, die die Region gekannt habe. Er berichtete auch von den Losnächten, die als besonders dazu geeignet galten, einen Blick in die Zukunft zu werfen.Eine Menge Wissenswertes über diese Schreckgestalten und andere Bräuche erfuhren die Teilnehmer der Erlebniswanderung auf dem Rundgang über dem Mariahilfberg. Sie machten Bekanntschaft mit dem "bluadigen Dammerl" mit seinem Hammer, einer Gestalt, die vermutlich durch Metzger entstand, die am Thomasabend nach der Schlachtung mit blutiger Kleidung in die Stube getreten seien.

Die blutige Luzie

Ebenso blutig stellte Endres die Luzie vor: Die schneide nach dem Volksglauben den Kindern mit dem Messer den Bauch auf. Er berichtete von der druckenden Drud und der Wilden Jagd, wusste zu berichten, dass die Raunächte als heilig gegolten hätten und man deshalb an ihnen gefastet und gebetet hätte. An ihnen durften nach seinen Aussagen keine Unordnung im Haus herrschen, keine weiße Wäsche auf der Leine hängen und keine Wäscheleinen gespannt sein, da sich in diesen die wilde Jagd verfangen könnte.
Die absoluten Höhepunkte der Erlebniswanderung waren dann die Schauspielszenen, bei denen die Teilnehmer hautnah die Luzie, den Damma mit'm Hamma und die Drud erleben konnten. Pures Gänsehautgefühl war gewiss. Beeindruckend war die Abschlussszene mit einer Zukunftsschau, die im Auftritt des Waldpropheten Mühlhiasl gipfelte.

Aufgrund der großen Nachfrage wird die Erlebniswanderung am 5. Januar ein drittes Mal angeboten. Karten gibt es bei der Tourist-Info.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.