Ex-Bänker und Finanzvermittler schweigen vor dem Amberger Landgericht beharrlich - Weitere ...
Ein Netz aus betrügerischen Geschäften

Im Prozess gegen den Ex-Bänker aus Schwandorf (59) und einen Finanzvermittler (43)aus Amberg wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs traten am neunten und zehnten Verhandlungstag 20 Zeugen aus ganz Bayern auf, in der Regel Darlehensnehmer. Auch Bauträger, Finanzvermittlung und Immobilienverkäufer traten auf, die mit den beiden Angeklagten direkt oder indirekt in Geschäftsverbindung standen. Die Beweisaufnahme ist weitgehend abgeschlossen, mit einem Urteil ist nächste Woche zu rechnen.

Das wegen Betrugs angeklagte Duo stand wohl am Ende einer Kette. Es fehlt neben den beiden Angeklagten, die von den Strafverteidigern Marc Chmiel (Regensburg) und Helmut Oertel (Regensburg) vertreten werden an sich ein Dritter: Der sollte auch auf der Anklagebank sitzen, er hat offenbar in erster Linie die Geschäfte der in Ursensollen agierenden Immobilien und Finanzierungsfirma geleitet, bei der der 43-jährige Amberger tätig war. Firma und Name kommen bei vielen Zeugen immer wieder aufs Tablett. Der Mann ist im Juli 2011 verstorben.
Die lange Zeitspanne seit dem Geschehen vor etwa sechs Jahren macht vielen Zeugen nachvollziehbar zu schaffen, so bewegen sich die Aussagen oftmals in der Grauzone zwischen "ich weiß es nicht mehr" oder "es könnte so gewesen sein" und "es wird dann schon stimmen" nachdem frühere polizeiliche Vernehmungen vorgelesen oder diverse Geschäftsunterlagen vorgelegt wurden. Bei anderen Zeugen jedoch halfen selbst selbst unterschriebene Belege auch nicht mehr. Staatsanwalt Dr. Johannes Weber musste mehrmals massiv an die Wahrheitspflicht erinnern, die Zeugen die Folgen einer Falschaussage hinweisen. Das verfehlte dann auch seine Wirkung nicht bei den Zeugen, die in heute nicht mehr relevanten Verfahren vor Jahren schon Gefälligkeitsgutachten, falsche Bescheinigungen ausgestellt hatten. Falsche und frisierte Unterlagen, Erklärungen, Belege wurden offenbar von Vermittlern reichlich ausgestellt.

Die Arbeitsweise, die späteren Darlehensnehmer zu ködern war relativ simpel. Sie setzte zum einen eine gewissen Gutgläubigkeit und dann betrügerische Überredungskunst voraus. In der Regel hatten Vermittler Kontakt aufgenommen zu keineswegs begüterten Personen, die bereits bei Kreditinstituten in der Kreide standen. Die Vermittler gaukelten vor, durch den Kauf einer Immobilie eines bestimmten Bauträgers, von denen einige mittlerweile wegen Betrugs verurteilt sind, würde ein bestehender Kredit abgelöst und in einen neuen Kredit übernommen. Im Jargon heißt das wohlklingend "Integration in den Neukredit", klärte ein Zeuge auf.
Mit den Mieteinnahmen der nunmehr erworbenen Immobilien sei der neue, zusammengefasste Kredit ohne weiteres zu schultern. Üblicherweise in Ermangelung ausreichenden Einkommens der Darlehensnehmer, die ihre Immobilien als Kapitalanlage erwerben wollten, wurden Verdienstbescheinigungen über Nebeneinkommen erstellt - die es nie gab. Die nächsten Stationen waren dann Notar und ein Cafe nahe einer Schwandorfer Bank. Deren Kreditsachbearbeiter soll in der Branche als schneller und unkomplizierter Sachbearbeiter bekannt gewesen sein. Jetzt sitzt der Ex-Bänker auf der Anklagebank.

Dem gegenüber sollten die Immobilienkäufer angeben, der Erwerb erfolge zum Eigengebrauch - das würde die Sache wesentlich erleichtern. Die damaligen Immobilienkäufer stehen heute mittelloser da als damals, in aller Regel wurden aufgrund Zahlungsprobleme die so erworbenen Immobilien zwangsversteigert. Die Angeklagten schweigen beharrlich, die Beweisaufnahme ist im wesentlichen abgeschlossen. Zuletzt sagte ein Kriminalbeamter aus, der die akribische Arbeit der Ermittler erläuterte. Hunderte Vernehmungen wurden geführt.
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