12.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Ex-Spieler beider Klubs erinnern sich an die großen Derbyzeiten zwischen Amberg und Weiden Die berühmten zwei Herzen

Es ist der letzte Spieltag der Saison 1984/85: In der Landesliga Mitte, damals die vierthöchste Klasse Deutschlands, liefern sich der FC Amberg und die SpVgg Weiden ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Wasserwerk kommt es zum Gipfeltreffen zwischen den beiden Oberpfälzer Traditionsvereinen, die damals von Karel Finek (SpVgg SV) und Aki Schmidt (FC Amberg) trainiert werden. Über 6000 Fans werden Zeugen einer Partie, die bei beiden Vereinen ins Geschichtsbuch einging.

Eines der zuschauerträchtigen Derbys zwischen der SpVgg Weiden und dem 1. FC Amberg Mitte der 80er Jahre. Spieler, deren Namen heute noch nahezu jedem Fußballfan geläufig sind, spielten gegeneinander. Hier liegt der Amberger Torwart Hans Dotzler geschlagen am Boden, sein Teamkollege Ferdinand Glaser schaut dem Ball machtlos hinterher. Am Boden beobachten der Amberger Lutz Ernemann (links) und der Weidener Stefan Fink (rechts) die Szene. Archivbild: G. Büttner
von Autor LSTProfil

Genau 30 Jahre später kommt es am Freitag um 18 Uhr zur Neuauflage des "ewig jungen Derbys", das seit jeher die Fans der Region "elektrisiert und fasziniert", wie Peter Messmann, Alfred Kromp, Stefan Fink und Lutz Ernemann, die allesamt in den Trikots beider Teams aufgelaufen waren, wissen.

"Das waren Spiele mit Gänsehaut-Atmosphäre, auch wegen der enormen Zuschauerzahlen", erinnert sich Weidens Ex-Torhüter Alfred Kromp. Wie nahezu all seinen Ex-Kollegen blieb ihm das oben erwähnte entscheidende Match um die Landesliga-Meisterschaft besonders in Erinnerung. "Amberg hätte damals ein Unentschieden gereicht, wir mussten gewinnen", blickt der heute 59-Jährige zurück. Und bis kurz vor dem Ende schlug das Pendel beim Stand von 1:1 für die Vilsstädter aus, ehe SpVgg-Stürmer Heinz Schneider noch das 2:1 gelang. "Wir wurden somit Meister, Amberg hinter Plattling nur Dritter", erinnert sich Kromp.

Der stand von 1978 bis 1980 beim FC Amberg zwischen den Pfosten und klopfte in der Saison 19878/79 in der Bayernliga an die Tür zur 2. Liga. Die Gelb-Schwarzen wurden jedoch nur "Vizemeister", in der darauffolgenden stand der achte Platz zu Buche. Danach wechselte Kromp, der zu dieser Zeit bereits auf der Stadt Weiden gearbeitet hatte, ans Wasserwerk. Mit der SpVgg stieg er 1981 in die Landesliga auf und beendete bei den Schwarz-Blauen 1987 seine Laufbahn, ehe er sich nochmals dem TSV Pressath anschloss.

"Die damaligen Partien gegen Amberg und umgekehrt gegen Weiden waren spannend und aufregend", so der 59-Jährige, der an insgesamt vier Derbys beteiligt war und auch heute noch aufmerksam die Spiele der beiden Klubs verfolgt. "Ins Stadion gehe ich zwar nicht mehr, aber ich habe noch immer meine Kontakte, die mich mit Infos versorgen", erzählt Kromp. Der Ex-Keeper, dessen Herz noch immer für die SpVgg schlägt, dort war er zu Regionalliga-Zeiten ja auch Betreuer der ersten Mannschaft, wünscht sich für Freitag ein "schönes und spannendes Derby, in dem seine Weidener die Nase vorne haben sollen".

Ebenso wie 1984/85, wobei damals Libero Peter Messmann eine wichtige Rolle spielte. Der Abwehrhüne war nämlich just vor dieser Saison als echtes Amberger Eigengewächs - er begann mit neun Jahren an der Vils seine Karriere und kickte dort von 1964 bis 1984 - zum großen Rivalen nach Weiden gewechselt. "Da war noch richtige Rivalität zwischen den beiden Vereinen vorhanden. Ich musste mir einige Anfeindungen der Amberger Fans anhören, Weiden war damals ein rotes Tuch", sagt der heute 60-Jährige. "Die Kulisse damals war unglaublich", so Messmann weiter, der insgesamt drei Derbys bestritt, in denen er zweimal mit der SpVgg erfolgreich war.

Mit Fußball abgeschlossen

Die heutigen Partien des FCA und der SpVgg SV verfolgt Messmann ausschließlich über die Zeitungen. "Ich habe nach 45 Jahren mit dem Fußballsport abgeschlossen und auch keinen Bezug zu irgendeinen Verein mehr. Daher werde ich am Freitag auch nicht im Stadion sein. Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und meinen drei Enkeln", erzählt der 60-Jährige. Er wünscht sich für die anstehende Partie aber "ein faires und mitreißendes Derby, in dem die Zuschauer voll auf ihre Kosten kommen." "Der Bessere soll gewinnen", so Messmann.

Im Gegensatz zu ihm ist Lutz Ernemann auf "alle Fälle vor Ort". Was aber auch nicht verwundert, denn der 57-Jährige, der als Trainer am DFB-Stützpunkt in Theuern arbeitet und zudem die D-Junioren des FC Amberg betreut, ist dem Fußball nach seiner Karriere als Aktiver stets treu geblieben. Bis 1980 kickte er für die Vilsstädter und ließ bis 1984 seine Laufbahn bei der SpVgg ausklingen. "Das besagte Derby war dann ein Jahr später, da war ich aber nicht mehr dabei", berichtet Ernemann.

"Ich habe bei beiden Vereinen eine tolle Zeit erlebt, daher schlagen nun natürlich zwei Herzen in meiner Brust. Wobei die Nuancen das Pendel eher zum FC Amberg ausschlagen lassen, die Verbindung zum FC ist um einen Tick stärker", schränkt Ernemann ein, der als Spieler in Weiden unter Trainern wie Hans Greben oder Aki Schmidt viel gelernt und für seine heutige Arbeit mitgenommen habe. Für Freitag erhofft sich der 57-Jährige einen Amberger Sieg.

Der Jüngste im Bunde des legendären Derbys am Wasserwerk war 1984/85 Stefan Fink. Als 23-Jähriger lief er im Weidener Trikot auf. "Das waren zuschauerträchtige Matches, in denen es einem als Spieler immer kalt den Rücken runter lief - stets kampfbetont und brisant", erzählt der heutige Trainer des Bezirksligisten SV Hahnbach. Fink kickte von 1977 bis 1980 in der Amberger Jugend, ehe er von 1982 bis 1990 bei der SpVgg unter Vertrag stand. Von 2007 bis 2008 war er schließlich auch Coach der Vilsstädter und zudem danach Co-Trainer in Weiden.

Der Wunsch: ein 3:3

"Ich verfolge nach wie vor die Spiele beider Mannschaften und werde, nachdem meine Mannschaft schon am Nachmittag in Vohenstrauß spielt, auch am Schanzl sein", sagt der 53-Jährige, der vom bisherigen Abschneiden der Weidener in der Bayernliga positiv überrascht ist. "Der FC Amberg hat offenbar noch mit der ihm zugesprochenen Favoritenrolle zu kämpfen, wird aber sicherlich noch ins Rollen kommen - wenn dort vernünftig und ruhig weitergearbeitet wird", schätzt Fink die Situation ein. Sein Wunsch für Freitag: "Ein 3:3 nach einem offenen Schlagabtausch, in dem die Zuschauer voll auf ihre Kosten kommen."

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