12.07.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Familienpolitik: Frauen-Union sucht nach Wegen aus der Armutsfalle Machen Kinder arm?

"Jetzt, da Entscheidungen anstehen, wollen wir nicht nur mitreden, sondern uns noch in den Prozess einbringen", machte MdB Maria Eichhorn, Landesvorsitzende der Frauen-Union (FU), bei der Orts- und Kreisvorsitzendenkonferenz am Samstag im ACC deutlich. Mit Unterstützung des Sozialexperten Horst Seehofer möchte die FrauenUnion Einfluss darauf nehmen, dass die Sozialreformen frauen- und familienfreundlich umgesetzt werden.

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Die Landesvorsitzende stellte die Wahlfreiheit zwischen Beruf und Familie als Leitlinie familienfreundlicher Unionspolitik heraus: "Dafür muss die Politik die Voraussetzungen schaffen, damit Kindererziehung nicht gleichbedeutend mit Armut im Alter wird." Ein Baustein dafür könnte das Rentenmodell der FU sein, das eine nach der Kinderzahl gestaffelte Anerkennung der Erziehungszeit auf die Rente vorsieht: "Ein bisschen stolz sind wir schon, dass Rührup, der ja was von der Rente versteht, unser Modell als gangbaren Weg bezeichnet hat - ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben."

Wunschdenken

"Die demographische Entwicklung in Deutschland mit einer Geburtenrate von 1,29 - der niedrigsten in Europa - stellt uns vor gewaltige Herausforderungen", begrüßte Emilia Müller, Oberpfalz-Chefin der FU, die Vertreterinnen der 99 Orts- und zehn Kreisverbände gleich mit der Aufgabenstellung der Konferenz - wie kann die Politik dazu beitragen, dass aller fruchtlosen Lippenkenntnisse der letzten Jahre zum Trotz, der Nachwuchs wieder der Deutschen liebstes Kind wird? "Familienpolitik ist etwas anderes als das Wunschdenken romantischer Traditionalisten", stellte die Staatssekretärin klar, dass damit keine Rückkehr der Frauen zu Kinder, Küche und Kirche gemeint ist. "Familie ist nach wie vor ,in', aber Familien sind bunter geworden", hob Müller auf die Zunahme Alleinerziehender, nichtehelicher Gemeinschaften und so genannter Patchwork-Familien ab. "Sie alle brauchen unsere Unterstützung!"

"Familien mit mehr als zwei Kinder gehören inzwischen zu einer aussterbenden Rasse", beklagte Staatsministerin Christa Stewens die mentale Kinderfeindlichkeit der Gesellschaft. Sie stoße immer wieder auf haarsträubende Diskriminierungen: "Da sagt zum Beispiel ein Kindergarten-Träger einer Mutter von fünf Kindern, dass er nicht gleichzeitig zwei Kinder aufnehmen kann. Deshalb muss sie auch noch zu einem sechs Kilometer entfernten Ort fahren - ein Unding."

Die vielbeschworene Wahlfreiheit als Banner vor sich herzutragen nutze deshalb nichts, so lange nicht die Rahmenbedingungen stimmten: "Wir möchten deshalb eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung einführen." Angemessen sei aus ihrer Sicht, mittelfristig Kapazitäten für zehn Prozent der unter Dreijährigen und bis 2008 für rund ein Viertel der Schulpflichtigen zu schaffen: "Regional natürlich sehr unterschiedlich. In den Großstädten besteht mehr Bedarf als in ländlichen Räumen, wo es sinnvoller ist, mit Tagesmüttern zu arbeiten."

"Viele haben noch nicht verstanden, dass Schule die Vorbereitung aufs Berufsleben ist", kritisierte MdL Ingrid Heckner, Sprecherin des Bildungsausschusses, den Aufschrei, der nach der Einführung des G 8 durch die Medienlandschaft gegangen sei. Die stellvertretende FU-Bezirksvorsitzende aus Altötting forderte eine verstärkte Frühförderung, die Beseitigung von Defiziten an der Hauptschule und den Berufsschulen.

Gudrun Brendl-Fischer, oberfränkische FU-Bezirksvorsitzende, fahndete in ihrem Vortrag nach Wegen, ehrenamtliches Engagement, Familie und Beruf in Einklang zu bringen: "Wir müssen die Qualität unserer Arbeit gerade im Unterbau steigern, brauchen effektivere Veranstaltungen, bessere Marketingstrategien, damit junge Frauen wieder das Gefühl bekommen, in vertretbarer Zeit etwas bewirken zu können."

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