Gerhard Hirzinger lässt Welt des Märchenkönigs Ludwig II. im Computer auferstehen
Schöpfer der Schlösser und des TÜV

Er gehört zu den berühmtesten Persönlichkeiten der europäischen Geschichte, seine Schlossbauten - wie etwa Neuschwanstein - sind auf der ganzen Welt bekannt: König Ludwig II. (1845-1886). Er wird als Außenseiter zugleich verspottet und bewundert, als Märchenkönig vermarktet und als Ikone der Moderne gefeiert.

Prof. Dr. Gerhard Hirzinger vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen gab nun faszinierende Einblicke in die Welt des Märchenkönigs. Um die Prachtbauten im Falle einer Zerstörung für die Nachwelt zu erhalten, machte es sich der Professor zur Aufgabe, sie mit modernster Lasertechnik zu vermessen.

Als Modell in 3D

Im Zuge seiner vor allem privat vorangetriebenen Idee vom "virtuellen Bayern" hat er nicht nur einige der spektakulärsten Räume in den Königsschlössern fotorealistisch in 3D modellieren lassen; er hat vor allem die Projekte, die der Märchenkönig geplant, aber nicht mehr umgesetzt hat oder die nach seinem Tod zerstört wurden, nach und nach als virtuelle Realitäten am Computer entstehen lassen und ständig verbessert.
Die Besucher konnten unter anderem (ohne stundenlang anstehen zu müssen) die Räume des Schlosses Neuschwanstein virtuell bewundern. Das sogenannte Ritterbad, der Thron- und Sängersaal, das Arbeitszimmer und der Maurische Saal wurden neben unglaublichen Einblicken in den nicht mehr existierenden Wintergarten über der Münchner Residenz "begehbar". Aber auch ein scheinbar banaler Blick aus den Fenstern der Königsschlösser war möglich. Ein dreidimensionales Bildverfahren mit zwei Hochleistungsprojektoren im Wert von 100 000 Euro, kombiniert mit leistungsstarken Rechnern und speziellen Grafikkarten, machte das möglich. Die Visionen des Königs wurden durch modernste Computertechnik aus einer völlig neuen Perspektive dargestellt.

Durchaus sozial engagiert

Gerhard Hirzinger, der immer wieder auch nicht bekannte Details über den König verriet, beschrieb Ludwig II. als Technikfreak, der durchaus sozial engagiert war. So hatte Neuschwanstein schon früh eine Warmwasserheizung. Und zur Minimierung der Gefahren der damaligen Dampfmaschinen gründete er den "Dampfkesselrevisionsverein". Das war laut Hirzinger die Geburtsstunde des TÜV Süddeutschland.

Zu sehen gab es an diesem Abend aber nicht nur die Märchenschlösser. Auch das Schachenhaus im Wettersteingebirge, in das sich der König immer wieder zurückzog, und der dort befindliche türkische Salon wurden dreidimensional dargestellt. Ferner ist bereits der komplette Alpenraum nachmodelliert worden, so dass die Zuschauer mit auf eine Reise durch die Bergwelt gehen konnten.
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