02.06.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Gericht glaubt 44-Jährigem nicht - Fünf Jahre Haft für Überfall, Diebstahl und Betrug Märchenbuch schützt vor Strafe nicht

Mit diesem Urteil konnte der Angeklagte mehr als zufrieden sein. Wegen schwerer räuberischer Erpressung, Diebstahls mit Waffen, zweifachen Betrugs und einer Widerstandhandlung gegen Polizisten ist ein 44-Jähriger aus Hirschau zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts ordnete gleichzeitig eine längerfristige Drogenentzugstherapie an.

von Autor HWOProfil

Drei Prozesstage lang (wir berichteten) hatte der 44-Jährige außer einem Tankstellenbetrug alle anderen Vorwürfe heftig von sich gewiesen. Was er dabei über weite Strecken hinweg der Strafkammer erzählte, war abenteuerlich. Bei ihm, des zweifachen Raubüberfalls beschuldigt, hatten Ermittler zahlreiche verdächtige Gegenstände gefunden. Darunter eine Mütze mit Sehschlitzen, eine Pistole und einen Zettel, auf dem "Geld her" stand. Diese Beweisstücke, so erfuhren die Richter, seien für "Recherchen im Hinblick auf ein zu schreibendes Buch" nötig gewesen. In ihrer Urteilsbegründung sagte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber am Freitag: "Was sie hier mitgeteilt haben, glich einem Märchenbuch für Kinder im Vorschulalter".

Ein Fall nicht nachweisbar

Neun Jahre hatte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag gefordert. Die Kammer blieb weit unter diesem Antrag. Der Grund: Im Gegensatz zur Anklagevertreterin hielten die Richter einen von zwei dem 44-Jährigen angelasteten bewaffneten Raubüberfällen für letztlich nicht eindeutig nachweisbar. Das Verbrechen hatte sich in Sorghof bei Vilseck ereignet, die mit einer Pistole in Schach gehaltene Verkäuferin einer Bäckereifiliale leidet noch heute psychisch unter den Folgen. Im Prozess konnte sie nichts zur Identifizierung des Täters beitragen.
Im Gegensatz zum Raub in Sorghof war der Überfall auf eine Tankstelle in Sulzbach-Rosenberg von einer Videokamera aufgezeichnet worden. Dabei wurde dem 44-Jährigen hauptsächlich die Stellung eines seiner beiden Ohren zum Verhängnis. Während des Prozesses hatte ein anthropologischer Sachverständiger ausgesagt und neben dem Ohr zahlreiche weitere Gemeinsamkeiten zwischen Fotos und Angeklagtem entdeckt.

Für die Kammer bestand auch keinerlei Zweifel daran, dass der wegen seiner Drogensucht offenbar unter chronischer Geldnot leidende und wegen diverser Verbrechen vorbestrafte Mann an drei Tankstellen im fränkischen Plech, in Schwandorf und in Wernberg-Köblitz den Tank seines damals geliehenen Wagens füllte und danach türmte. Den Vorfall in Wernberg-Köblitz werteten die Richter als Diebstahl mit Waffen und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Auf der Flucht hatte der 44-Jährige mehrfach auf einen ihn verfolgenden Zivilwagen der Polizei aus einem Schreckschussrevolver geschossen. Er selbst rannte danach samt seiner Waffe zu Fuß davon und wurde eingeholt. Seine am Steuer sitzende Frau sprang in einen Weiher und wollte schwimmend den Beamten entkommen. Auch sie wurde bald darauf festgenommen.
"Es besteht nach wie vor ein Hang zum Drogenkonsum", verdeutlichte die Kammervorsitzende. Deswegen müsse der 44-Jährige in eine längerfristige Therapie geschickt werden. Zusammen mit seinem Verteidiger wäre der Angeklagte sofort bereit gewesen, den Urteilsspruch zu akzeptieren. Die Staatsanwältin aber gab keine Erklärung ab. Sie wird überlegen müssen, ob sich die Revision zum Bundesgerichtshof lohnen würde.

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