30.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Golden Gate gibt Spezialklinik-Pläne auf und setzt auf Wohnen und Gewerbe - Stadt zieht mit Kleine Brötchen gehen besser

Die planerisch kleineren Brötchen scheinen deutlich besser zu gehen. Es bewegt sich etwas auf dem über acht Hektar großen Gelände des ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses im Stadtsüden. Dem nicht ganz freiwilligen Umdenken des Investors Golden Gate muss nun auch der Bebauungsplan angepasst werden. Der Ferienausschuss nahm es am Donnerstag in Angriff.

von Michael Zeissner Kontakt Profil

Deutliche Erleichterung klang bei allen Fraktionen durch. Das ehemalige Militärkrankenhaus soll nicht mehr zu einer Nobelspezialklinik hochfrisiert werden, "der jahrelange Stillstand" (Florian Fuchs, SPD) scheint beendet. Spätestens seit dem Spatenstich zu einem Kreisverkehr an der Köferinger Straße Ende Juli, der das Areal besser für den Verkehr erschließen soll, wird das auch sichtbar.

Vorgesehen ist nun eine überwiegende Wohn- sowie gewerbliche Nutzung. "Wir wollen die Investoren auf diesem Weg schon gerne begleiten", gab Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) als Linie des Rathauses vor und stieß durchweg auf Rückhalt. Als "absolute Aufwertung" empfindet auch CSU-Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann die neuen Pläne der Golden Gate GmbH.

Umwidmungen nötig

Baureferent Markus Kühe spricht vor diesem Hintergrund davon, dem Investor "schon entgegenkommen zu wollen", jedoch bauleitplanerische Grundsätze nicht vernachlässigen zu dürfen. Mit diesem Verweis auf den bestehenden Bebauungsplan (8,77 Hektar) war das Augenmerk des Ausschusses auf nötige Änderungen gelenkt. Bisher sind große Teile des Gesamtareals als Sondergebiet (3,89 Hektar) ausgewiesen, das hatten die ursprünglichen Überlegungen in Richtung Spezialklinik erfordert.

Künftig sollen andere Nutzungsschwerpunkte gesetzt werden. Das Sondergebiet Krankenhaus (vorübergehende Kinder- und Jugendpsychiatrie des Bezirks, Bundeswehr-Ambulanz) schrumpft auf 1,29 Hektar, das allgemeine Wohngebiet (bisher 1,06 Hektar) wächst auf 1,64 Hektar und neu entsteht ein "Gewerbegebiet mit Einschränkung" mit einer Fläche von 0,81 Hektar. Der Rest ist der Infrastruktur (Straßen, Nahversorgung) und Grünbereichen zuzuordnen.

Aus der Sicht von Kühne gibt es zwei Schwerpunkte, auf die sich im Zuge der nötigen Bebauungsplanänderung die Interessen der Stadt konzentrieren müssen: der Zustand und Umfang der Kanalisation sowie Straßen, und die Anzahl der Pkw-Stellflächen. Denn das einstmals abgeschlossene Krankenhaus-Areal soll künftig den Charakter eines öffentlichen Raums bekommen. Nach der Einschätzung der Bauverwaltung, so Kühne, müssen deshalb sowohl an die Kanalisation wie die verkehrstechnische Erschließung deutlich höhere technische wie kapazitätsmäßige Anforderungen gestellt werden, bevor sie in die künftige Baulastträgerschaft der Kommune übergehen.

Parkplatz-Mathematik

Bei den Stellplätzen geht es um namhafte Größenordnungen. Die bisherige Leitplanung sieht rund 200 Einheiten vor, eine optimale Auslastung der künftigen Nutzung könnte bis zu 700 nötig machen, merkte der Baureferent an. Hinsichtlich der Wohnnutzung soll folgende Berechnungsformel gelten: ein Stellplatz pro Einheit unter 60 Quadratmeter, ansonsten zwei. Der Stellplatzschlüssel anderweitiger Nutzungen berechnet sich nach der deutlich komplizierteren sogenannten Garagenstellplatz-Verordnung.

Büros für Siemens

Wiederholt klang an, dass Golden Gate offenbar mit Siemens in vielversprechenden Verhandlungen steht, um Büroflächen für Ingenieurabteilungen anzusiedeln. Lediglich Emilie Leithäuser (Ausschussgemeinschaft FDP/Amberger Bunt) formulierte Befürchtungen, die anvisierten Gewerbeflächen könnten "eine Art Marienstraße" mit sich bringen, was aus der Sicht des Innenstadthandels schädlich wäre. Diese "klassische FDP-Frage", so Cerny, stelle sich nicht, weil der Investor daran kein Interesse habe. Auch Kühne sieht "diese Gefahr keinesfalls für gegeben an". Einstimmig schickte der Ferienausschuss die nötigen Bebauungsplan-Änderungen auf den Weg. (Angemerkt)

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