Grammer AG will im Haselmühler Werk zwei Millionen Euro einsparen
Beschäftigte verstehen es nicht

Mehrere Hundert Beschäftigte stehen vor der Frage: warum jetzt?
(räd) Einen Rekordgewinn vermeldete Grammer vor kurzem. Nach Zinsen und Steuern hat der Konzern im Jahr 2012 nach eigenen Angaben 24,4 Millionen Euro verdient (wir berichteten). Umso weniger können die Beschäftigten im Haselmühler Werk nachvollziehen, warum sie nach Vorstellungen des Betriebs heuer zwei Millionen Euro einsparen sollen. Genauso geht es Vertretern von Gewerkschaft und Belegschaft.

"Nichts falsch gemacht"

Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Rösl sagt in einem AZ-Gespräch: "Die Belegschaft versteht es nicht." Dies gelte auch für den Zeitpunkt. Denn der Firma gehe es nachweislich sehr gut. "Mehrere Hundert Beschäftigte stehen vor der Frage: warum jetzt?", berichtet Rösl. Erster Bevollmächtigter Horst Ott von der IG Metall räumt allerdings ein, dass Grammer "rein formal nichts falsch macht". Denn die zwei Millionen Einsparung seien als Beitrag der Arbeitnehmerschaft zu Investitionen in einem Ergänzungstarifvertrag im Jahr 2010 festgelegt worden.

Konkret ging es damals um die Produktion einer neuen Generation von Sitzen. Betriebsrat und IG Metall wollten, dass die Fertigung im Werk Haselmühl stattfindet, was den Standort für viele Jahre sichern sollte.
Der Grammer-Vorstand zeigte sich damit einverstanden, verlangte jedoch, um konkurrenzfähig zu sein, einen Beitrag der Belegschaft von maximal zwei Millionen Euro - "als Anschubfinanzierung", wie Ott erläutert. Allerdings habe Grammer die Option in den folgenden zwei Jahren nicht genutzt, wohl auch wegen Anlaufschwierigkeiten bei der Produktion der neuen Lkw-Sitz-Serie.

Tarifvertrag kündigen?

"Neu ist nun, dass Grammer diese Möglichkeit zieht", sagt Ott. Das Unternehmen berufe sich auf den aktuellen Tarifvertrag, was sein Recht sei. Die IG Metall werde nun Gespräche mit der Firmenleitung führen und die Gewerkschaftsmitglieder befragen. Im Grundsatz geht es laut Ott um die Frage: "Kündigen wir den Tarifvertrag oder nicht?"

"Wir haben noch kein Ergebnis", so Rösl. "Und auch kein Schriftstück", ergänzt Ott, bezogen auf die Details, wie die zwei Millionen Euro von der Belegschaft erbracht werden könnten. Im Tarifvertrag wurde dazu nichts vereinbart.
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