17.07.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Grammer-Vorstand und Arbeitnehmer erreichen gemeinsam eine Sicherung der Arbeitsplätze "Modelle nur, wenn sie nötig sind"

Das positive Ergebnis im ersten Halbjahr sichert Arbeitsplätze bei Grammer: Vorstand, Betriebsrat und IG Metall Amberg einigten sich darauf, die Gespräche über Personalkostenreduzierungen bis Jahresende auszusetzen. "Außerdem verliefen die Gespräche so konstruktiv", freute sich Unternehmenssprecherin Barbara Zanzinger, "dass wir auch künftig in der Lage sind, flexibel auf sich verändernde Situationen zu reagieren."

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Die Entscheidung, die beiden Standorte Lengenfeld (Nordrhein-Westfalen) und Haselmühl der Grammer Automotive Metall GmbH im Industriegebiet Schafhof zusammenzuführen und damit im Landkreis Amberg-Sulzbach zu konzentrieren, sei deshalb möglich geworden, weil die Arbeitnehmerseite Zugeständnisse bei der Arbeitszeit gemacht habe.

Kein politisches Signal

Die Beschäftigten hatten sich bereit erklärt, die nächsten sieben Jahre je nach Auftragslage bis zu 39 Wochenstunden zu arbeiten. Im Gegenzug gab Grammer eine Beschäftigungsgarantie für die über 100 Mitarbeiter ab. Vorstandsvorsitzender Heinz-Jürgen Otto wollte die Entscheidung gleichwohl nicht als politisches Signal missverstanden wissen: "Zu der aktuellen Debatte, wie viel Wochenarbeitszeit wir brauchen, möchte ich mich nicht äußern. Es geht nicht generell um Mehrarbeit, sondern um eine Flexibilisierung."

Auch die Verlängerung befristeter Arbeitsverträge werten beide Seiten als gemeinsamen Verhandlungserfolg. Sie sei möglich geworden, weil man sich auf eine zeitliche Verschiebung der Tariferhöhungen einigen konnte. "Dies alles war im Rahmen des geltenden Flächentarifvertrages und dank einer guten Portion guten Willens auf allen Seiten machbar", kommentierte Jürgen Ganss, Ambergs IG-Metall-Chef, den Kompromiss. "Das stimmt mich auch für die Zukunft optimistisch."

Partnerschaftlich soll nun der bereits begonnene Veränderungsprozess - insbesondere am Standort Haselmühl - vorangetrieben werden: Ziel sei vor allem eine Optimierung der Arbeitsabläufe. Betriebsratsvorsitzender Udo Fechtner freute sich darüber, dass trotz der unterschiedlichen Interessenlagen letztlich "personelle Maßnahmen" hätten vermieden werden können.

Schnelllebige Märkte

Auch Uwe Wöhner, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor der Grammer AG, zeigte sich mit dem Verhandlungsergebnis zufrieden, weil es gelungen sei, die Personalkostendebatte von möglichen Entlassungen zu entkoppeln: "Wir müssen uns allerdings auch bewusst sein, dass Unternehmen wie Grammer, die sich in schnelllebigen Märkten bewegen, unaufhörlich Maßnahmen ergreifen müssen, um sich den Veränderungen im Umfeld anzupassen."

Unternehmenssprecherin Barbara Zanzinger hält als wichtige Erkenntnis fest, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer es geschafft hätten, sich hinzusetzen und konkret eine bestimmte Situation zu besprechen. Sie machte auch deutlich, dass solche Verhandlungen nicht zwangsläufig auf andere Unternehmensbereiche Auswirkungen haben müssten: "Wir führen Modelle nur ein, wenn sie nötig sind."

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