11.12.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Haftstrafen für Friedhof-Diebe - Zwei hinter Gitter Bande an Gräbern

In ihrem Schlusswort entschuldigten sich die des schweren Bandendiebstahls überführten Täter und nahmen ihre Urteile zustimmend an. Zwei junge Männer aus dem Kreis Schwandorf erhielten für insgesamt 55 von Friedhöfen gestohlene Figuren, Kreuze und Vasen mehrjährige Haftstrafen. Ihre 18-jährige Komplizin kam mit zwei Jahren zur Bewährung davon.

von Autor HWOProfil

Der Prozess, begonnen in der Vorwoche (wir berichteten), hatte bayernweit für Aufsehen gesorgt. Es ging um eine dreiköpfige Bande, die im Oktober letzten Jahres damit begonnen hatte, von Friedhöfen in Stulln, Schwarzenfeld, Teublitz (alle Kreis Schwandorf) sowie in Wenzenbach, Wald und Bernhardswald (alle Kreis Regensburg) meist sehr schwere Figuren aus Bronze, Guss und Messing zu stehlen. Die Beute besaß einen Wert von annähernd 100 000 Euro. Sie konnte später zu einem Teil bei einem Regensburger Schrotthändler sichergestellt werden. Eine weitere Ladung warfen die Beschuldigten nahe der Stadt Nittenau, wo die Touren ihren Ausgang genommen hatten, in ein Fichtendickicht.

Nützliche Geständnisse

Ihre umfangreich abgelegten Geständnisse bewahrten die Angeklagten vor weitaus höheren Ahndungen. Kurz nach Verfahrensbeginn hatte die Jugendkammer des Amberger Landgerichts in der Vorwoche für lückenlose Schuldbekenntnisse Strafhöchstgrenzen zugesichert. Daran hielten sich die Richter jetzt auch.
Staatsanwalt Peter Jung forderte für den 28-jährigen Hauptangeklagten, einen ehemaligen Bestatter, fünf Jahre Haft und erinnerte an dessen Vorstrafen. Kein unbeschriebenes Blatt war auch der 22-jährige Angeklagte, ein junger Familienvater. Er sollte nach Jungs Antrag viereinhalb Jahre hinter Gitter. Zwei Jahre mit Bewährung und 200 soziale Arbeitsstunden beantragte der Anklagevertreter für die 18 Jahre alte Mittäterin. Sie war an 50 Diebstählen beteiligt.

Schmerz für Hinterbliebene

Die Verteidiger riefen lückenlos abgelegte Geständnisse ins Gedächtnis und verlangten geringere Ahndungen als die vom Staatsanwalt beantragten. Die Kammer kam dem ein Stück weit entgegen. Der 28-Jährige erhielt vier Jahre und drei Monate, der 22-Jährige muss drei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Bei ihm wurde eine Vorverurteilung von 12 Monaten mit einbezogen. Die junge Mittäterin, damals Freundin des 28-Jährigen, erhielt zwei Jahre mit Bewährung. Sie muss 160 unentgeltliche Arbeitsstunden ableisten.

In der Urteilsbegründung sagte LG-Präsident Dr. Wolfgang Schmalzbauer: "Es war zweifellos schwerer Bandendiebstahl." Er schrieb den Angeklagten ins Stammbuch, dass sie keine gewöhnlichen Schrottdiebe seien. "Sie haben sich Gräber ausgesucht, diese letzten Ruhestätten geschändet und Angehörigen einen unüberwindbaren Schmerz zugefügt."

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