16.01.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Heftige Hiebe nach rassistischen Beleidigungen auf der Dult - Landgericht bestätigt Ersturteil Nichts dazugelernt: 16 Monate Haft

Ganz zum Schluss platzte dem Staatsanwalt der Kragen: "Sie haben nichts dazugelernt", schrieb er dem Angeklagten ins Stammbuch und meinte damit dessen offenbar nach wie vor intakte rechtsradikale Gesinnung, trotzt heftiger Beteuerungen des Gegenteils. Der 31-Jährige war mit dabei, als auf der Amberger Dult drei farbige Mädchen attackiert wurden. Er hoffte auf eine Strafmilderung vor dem Landgericht. Doch die Jugendkammer schickte ihn 16 Monate hinter Gitter.

von Autor HWOProfil

Der Fall hatte in Amberg für Aufsehen gesorgt. Schon deswegen, weil sich sehr deutlich zeigte, dass rechtsradikales Tun und Handeln auch vor kleineren Städten nicht Halt macht. Im Oktober 2012 gab es dazu Urteile des Amberger Jugendschöffengerichts. Der nun in der Berufungsinstanz allein auf der Anklagebank sitzende 31-Jährige erhielt 16 Monate, zwei Mittäterinnen kamen mit einer Freiheitsstrafe zur Bewährung sowie Arbeitsauflage davon. Beide Frauen akzeptierten die Entscheidungen, der 31-Jährige nicht.

Nun wurde das Verfahren vor der Jugendkammer des Landgerichts erneut aufgerollt. Mit allen Zeugen und einem Angeklagten, der sich Milde und Nachsicht erhoffte. Milde für einen, der drei des Weges kommende farbige junge Frauen als "Negerschlampen" bezeichnet, ihnen die "Rückkehr nach Afrika" nahe legt und "Heil Hitler" grölt? Nachsicht für jemanden, der mit dabei war, als eines dieser Mädchen zu Boden ging und mit Hieben traktiert wurde?

Früher bei der NPD

Der 31-Jährige hatte zusammen mit zwei Begleiterinnen die Herbstdult 2011 besucht. Das Abschlussfeuerwerk war eben vorüber, als es unweit der Damentoilette zur zufälligen Begegnung mir drei farbigen Mädchen kam. Nach einer Rempelei stieß der 31-Jährige, früher Mitglied der NPD und heute (nach eigenem Bekunden) längst weit weg von radikalem Gedankengut, rassistische Beleidigungen aus. Danach wurde seine damalige Freundin aktiv, schlug eines der farbigen Mädchen mit einem Maßkrug nieder. Das Opfer, damals 16 Jahre alt, fiel um, wurde weiter mit Schlägen misshandelt.

Schuld abgeschoben

Auch das, unterstrich der 31-Jährige jetzt in seiner Vernehmung, sei ausschließlich seiner damaligen Freundin zuzuschreiben. Er selbst habe nicht eingegriffen, sei von Sicherheitsleuten bereits hinter eine Absperrung gebracht worden. "Eine dreiste Lüge", wie Staatsanwalt Tobias Kinzler später in seinem Plädoyer sagte. Die drei jungen Frauen bestätigten nun in ihrer Befragung durch den Kammervorsitzenden Alexander Frey genau das, was sie erstinstanzlich bereits vor der Jugendrichterin Petra Froschauer mitgeteilt hatten: "Er hat mit zugeschlagen." Allein diese Aussagen reichten der Kammer für eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung. Den Hitlergruß und die rassistischen Beleidigungen hatte der 31-Jährige ja ohnehin eingeräumt.

"Kein Zweifel"

Nur dafür sei der Angeklagte zu ahnden, plädierte Verteidiger Michael Schüll. Hinsichtlich der Hiebe erkannte er Ungereimtheiten und forderte diesbezüglich Freispruch. Kinzler hingegen nannte den Beschuldigten einen "dreisten Lügner", hielt ihm einschlägige Vorstrafen wegen gefährlicher Körperverletzung entgegen und forderte, das erstrichterliche Urteil zu bestätigen. So geschah es auch. Wenn der 31-Jährige eine laufende Haftstrafe verbüßt hat, wird er 16 Monate anhängen müssen. "Es besteht kein Zweifel daran, dass er mit zugeschlagen hat", steht für den Kammervorsitzenden fest.

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