Hervé Michel & Günther Kroack im AZ-Interview: "Er war der Chef, ich der Assistent"
"Wenn der Stern futsch ist"

Küchenchef Hervé Michel konnte sein neunköpfiges Team kaum bremsen, als bekannt wurde, dass Günther Kroack, Schiffskoch des Jahres 2004, ein Gastspiel geben würde. "Die Jungs wollten alle mitkochen", freut sich der Amberger Franzose.

Herr Kroack, wie ist das Gefühl, beim Kochen wieder festen Boden unter den Füßen zu haben - gibt es einen Unterschied zwischen einer Schiffsküche und hier?

Kroack: Eigentlich nicht, außer vielleicht, dass man auf See nicht noch schnell jemanden losschicken kann, wenn etwas ausgeht. Wann immer möglich, gehe ich an Land und besorge mir auf den Märkten frisches Gemüse, Fisch, Fleisch. Ansonsten werden wir einmal die Woche beliefert, da stehen dann sieben 30-Tonner am Hafen. Wir haben auf der AIDAblu etwa 1700 Gäste und 600 Crew-Mitglieder an Bord, da kommt schon was zusammen.

Für die müssen Sie alle kochen?

Kroack: Nein, ich betreue nur das Gourmet-Restaurant mit 68 Plätzen, da wird ausschließlich individuell gekocht. Wir setzen uns täglich zusammen und beratschlagen, was wir aus den frisch gekauften Waren machen.

Sie haben Frau und Kind - wie oft sind Sie denn zuhause oder ist ihre Familie mit auf Tour?

Kroack: Das würde nicht gehen. Wir sind immer so drei Monate unterwegs, mal bei den Kanaren, in Dubai, im Sommer oft bis hoch zum Nordkap. Danach gibt's ein paar Wochen Urlaub und dann geht's wieder weiter.

Sie werden im Aral-Schlemmer-Atlas als Schiffsrestaurant des Jahres 2004 gelistet. Haben Sie von den Testern etwas mitbekommen?

Kroack: Zunächst nicht. Die sind eine Woche mitgefahren, haben dreimal bei mir gegessen und erst beim letzten Mal haben sie sich zu erkennen gegeben.

Was haben Sie in dem Moment gedacht?

Kroack: Oh Gott! Was hab' ich alles falsch gemacht? Sie sagen dann zwar schon, dass alles gepasst hat, aber nichts Genaueres. Das erfährt man dann erst aus dem Atlas.

Herr Michel, Sie haben inzwischen einen Bib Gourmand von Michelin, das ist die Auszeichnung vor dem Stern. Sind Sie zufrieden?

Michel: Man lernt nie aus, auch heute habe ich mir von Günther viel abgeschaut. Meine Bewertung ist jedes Jahr ein wenig besser geworden, inzwischen haben wir auch zwei Gabeln, aber das Ziel ist natürlich der Stern.

Kroack: Und schwieriger als den Stern zu bekommen, ist ihn dann zu halten - wenn der futsch ist, ist das der Horror jedes Kochs, weil das 100 000 Euro weniger Umsatz im Jahr bedeutet.

Herr Kroack, Sie kommen aus Bamberg, möchten Sie dort mal ein Restaurant eröffnen?

Kroack: Es zieht einen schon zurück in die Heimat, aber es ist bisher noch keinem gelungen, dort ein Gourmet-Restaurant zu etablieren. Aber wie ich von Hervé höre, ist Amberg wie Bamberg ohne B - auch ein schwieriges Pflaster für Spitzenköche.