12.07.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Horst Seehofer ist für Finanzierung durch Kinderlose Familiengerechte Jobs

von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Besonders begrüße ich die bedauernswerte Minderheit des männlichen Geschlechts", scherzte der Starhahn im Frauen-Unions-Korb. In seiner Rede enttäuschte CSU-Sozialexperte Horst Seehofer die Erwartungen der Frauenpolitikerinnen nicht.

"Das Mitglied des Vereins für deutliche Aussprache" drosch bei seiner Analyse nicht nur auf den politischen Gegner ein. "Familien gehören nicht zu den Gewinnern unserer Zeit - Erziehung ist das Armutsrisiko Nummer eins." Als dreifacher Familienvater müsse man ihm nicht erklären, dass Kinder auch Freude machen: "Das darf aber auch uns nicht als Alibi dafür dienen, dass wir in der Politik zu wenig für Familien tun." Auch die Union habe früher eher darauf hingearbeitet, die Familie jobgerecht zu gestalten. "Wir brauchen aber den familiengerechten Job, nicht umgekehrt!"

Seehofer gehöre nicht zu denen, die sich einbilden, "Ihnen genau sagen zu können, wie die Probleme im Jahre 2030 liegen." Einige Trends ließen sich gleichwohl vorhersagen. Der Segen einer steigenden Lebenserwartung führe zu längeren Rentenzeiten. Der gleichzeitige Geburtenrückgang lasse die Schere zwischen Einzahlern und Leistungsbeziehern immer weiter aufgehen: "Wir haben nicht zu viele Alte, wir haben zu wenig Junge."

Deshalb müsse man den Menschen sagen, dass künftig nur noch eine Basisabsicherung finanzierbar sei - diese allerdings müsse familienfreundlich gestaltet werden, um das Problem nicht noch mehr zu verschärfen. "Wir müssen dazu die Menschen in die finanzielle Lage versetzen. Nur von der Freude an den Kindern allein kann man nicht runter beißen."

Sein Rezept: das von der CSU beschlossene Modell mit einem Steuerfreibetrag von 8000 Euro pro Kopf, einer Erhöhung des Kindergeldes, die Beibehaltung des Ehegattensplittings, ein Bonussystem bei der Anrechnung von Erziehungszeiten auf die Rente und die schrittweise Einführung des Familiengeldes. "Ich halte es allerdings nicht für glaubwürdig, wenn wir auf Fragen nach der Finanzierung einfach nur auf das Wirtschaftswachstum verweisen." Seehofer bekennt sich deshalb dazu, "diejenigen höher zu belasten, die keine Kinder haben." Das sei ein gerechter Ausgleich für die Leistung der Erzieher, die allen zugute komme.

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