IG Metall kündigt rasche und heftige Protestphase an bis zur möglichen Urabstimmung am 16. Mai
Am Tag der Arbeit erster Warnstreik

Der Tag der Arbeit beginnt mit einem Warnstreik. Schlag Mitternacht mit Ablauf der Friedenspflicht soll die dritte Schicht der Firma Faurecia in Trabitz am 1. Mai für 45 Minuten die Arbeit niederlegen. Diese "0-Uhr-Aktion" hat die IG Metall ganz bewusst so zeitig gelegt. Sie will damit deutlich machen, dass in dieser Tarifrunde nicht mehr lange gefackelt wird, wie der zweite Bevollmächtigte der Amberger Verwaltungsstelle gestern bei einem Pressegespräch sagte.

Udo Fechtner kündigte an, dass auch wegen der bevorstehenden Pfingstferien die geplante Warnstreikphase kurz sein wird. Genauer gesagt soll sie ohne Entgegenkommen der Arbeitgeber in der deutschen Metall- und Elektroindustrie maximal bis Mitte des Monats dauern. Am 16. Mai könnten dann laut Fechtner schon die Urabstimmungen über Streiks beginnen, wenn bis dahin kein neuer Tarifvertrag unter Dach und Fach ist.

"Wir haben ein taffes Warnstreik-Programm", gibt der Vize-Chef der Verwaltungsstelle Amberg mit ihren rund 15 000 Mitgliedern in Nordostbayern die Marschrichtung vor und schiebt nach: "Was es allerdings auch brauchen wird, wenn man sich das bisherige Angebot der Arbeitgeber anschaut." Es lag zuletzt, wie berichtet, bei 2,3 Prozent Lohn- und Gehaltssteigerung für ein Jahr, was aber nach Abzug unter anderem zweier geplanter "Nullmonate" nur 1,9 Prozent entspricht und die "Reallöhne senkt", wie die IG Metall vorrechnet.

"Die Erwartungshaltung der Kollegen ist da völlig anders", machte Fechtner gestern deutlich. Nach seiner Einschätzung laufen die Geschäfte der großen Mehrheit der Metall- und Elektrobetriebe auch in der Region gut - "im Grunde nicht viel schlechter als 2012". Das habe eine landesweite IGM-Umfrage unter den Betriebsräten von 341 Unternehmen mit rund 390 000 Beschäftigten in Bayern bestätigt.
Danach beurteilten 14 Prozent der Vorsitzenden die wirtschaftliche Lage ihrer Firma als sehr gut, 37 Prozent als gut und 30 Prozent als befriedigend. Vor diesem Hintergrund wolle auch die Amberger Verwaltungsstelle "Druck machen" vor und gegebenenfalls nach der nächsten Verhandlungsrunde am 8. Mai in Nürnberg. Fechtner kündigte im Grunde für jeden der acht Arbeitstage bis 15. Mai Warnstreiks in mindestens einem der Mitgliedsbetriebe an. Am 14. Mai sollen nach bisheriger Planung die Firmen EMZ in Nabburg und Kennametal, ebenfalls dort sowie in Vohenstrauß, bestreikt werden.

Diesen punktgenauen "Aufschlag" der IGM für die Tarifrunde nutzt auch der DGB für die Kundgebung und Feier zum Tag der Arbeit am 1. Mai. Nach dem traditionellen Demozug um 10 Uhr von der Bahnhofstraße durch die City zum Schrannenplatz wird Udo Fechtner hier ab 10.30 Uhr das Hauptreferat zum Thema halten. DGB-Stadtverbandsvorsitzender Bernhard Wallner will zuvor die Schwerpunktthemen des Gewerkschaftsbunds für heuer umreißen: die Forderung nach "guter Bildung für alle" und, dass "Arbeit wieder mehr Wert geben werden muss".
Ab Sommer wird es laut Peter Hofmann, DGB-Regionssekretär Oberpfalz-Nord, ferner verstärkt um eine verbesserte Strukturpolitik für Nordbayern und gezielte staatliche Hilfen hier gehen, um qualifizierte Kräfte, vor allem auch Nachwuchs, in der Region zu halten. Am 1. Mai wird als weiterer Redner IGM-Jugendsekretär Matthias Scher an den 80. Gedenktag der Besetzung der Gewerkschaftshäuser durch die Nazis erinnern.
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