Im Interesse des Verbandes
Angemerkt

Wiederholt war während der gut vierstündigen Versammlung des Verbandes Schädel-Hirnpatienten in Not davon die Rede, dass der Rechtsstreit um die Herausgabe der Mitgliederlisten die Arbeit gelähmt habe. Der Verein sei teilweise sogar nicht regierbar gewesen. Das ist jetzt vorbei. Einer der Nentwig-Kritiker ist mittlerweile ausgetreten, die beiden weiteren sollen laut Stellvertreter Heinz Muth wie alle anderen Mitglieder auch behandelt werden. Das klang nicht unbedingt nach Versöhnung, aber nach dem unbändigen Willen, sich wieder zu 100 Prozent auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren.

Denn der Bundesverband hat neben der rein fachlichen Arbeit und seiner beratenden Funktionen noch weitere Herausforderungen vor sich, die es zu bewältigen gilt. Das Vermögen ist in nur drei Jahren um fast 175 000 Euro geschmolzen. "Wenn wir das so beibehalten, reicht's nur noch für 20 Jahre", warnte Armin Nentwig, der sich den von seinem Stellvertreter vorgeschlagenen Neuerungen nicht versperrt. Künftig soll es im Verband ein Controlling geben, einen Haushaltsplan und optimierte Abläufe in der Amberger Geschäftsstelle.
Es gibt also noch viel zu tun, in einem Verband, der in 23 Jahren über 50 000 Menschen geholfen hat. Eines ist im Moment aber am allerwichtigsten. Alle sollten sich einen Satz von Christian Winter zu Herzen nehmen. Der angehende Jurist ist Beirat, erst relativ kurz im Verein, auf den Rollstuhl angewiesen und brachte es mit Blick auf das gerichtliche Verfahren auf den Punkt: "Es ist juristisch abgeschlossen. Wir sollten es jetzt auch emotional abschließen." Im Interesse des Verbandes und seiner unverzichtbaren Arbeit sollten sich alle daran halten.

Hintergrund Nentwig: "Nichts kommt von alleine"

Amberg. (tk) In seinem Rechenschaftsbericht ging Armin Nentwig, Bundesvorsitzender des Verbandes Schädel-Hirnpatienten in Not, auf das Schicksal des niederländischen Prinzen Friso ein, der nach einem Lawinenunfall im Koma liegt. Die im Nachbarland geführte Sterbehilfe-Diskussion verurteilte Nentwig: "Wo läge der Sinn, an jeder Hausecke einen Defibrilator anzubringen, wenn wir alle, die wir dadurch dem Tod entreißen, nach zwei oder vier Wochen vom Gerät abschalten?"
Im Schnelldurchgang skizzierte Nentwig auch die Aktivitäten und Schwerpunkte. Er übte Kritik an Krankenkassen, die sich bei der Kostenübernahme teilweise immer noch aus der Verantwortung stehlen würden, und erwähnte die Seminare für pflegende Angehörige ebenso wie das Treffen der Wiedererwachten, das es nunmehr seit 2006 gibt. Die Mitglieder ermunterte der Bundesvorsitzende, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen: "Wenn die Betroffenen es nicht tun, tut es keiner. Nichts kommt von allein."
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