18.09.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Im Mordprozess sagen Freunde und Bekannte aus - Viele Ereignisse, die zu denken geben Kaleidoskop mit Wechselbildern

von Autor HWOProfil

Es ist, als ob man ein Kaleidoskop ständig neu durchschütteln würde. Bilder verändern sich, machen anderen Perspektiven Platz. Selten hat es in Amberg einen Gerichtsprozess gegeben, der seine Prägung von so vielen einzelnen Facetten erhielt. Vor den Richtern, die den "Fall Pfreimd" beurteilen sollen, sagen momentan Zeugen aus dem Umfeld des durch Kopfschuss getöteten Mannes und dessen auf der Anklagebank sitzenden Ehefrau aus.

Wer war der "Verstorbene", wie ihn die Richter, beide Verteidiger und der Staatsanwalt nennen? Wenn man seinem besten Freund glauben darf, dann handelte es sich bei dem 39-Jährigen um einen recht lebensfrohen Menschen, der im Zuge seiner Bekanntschaft und späteren Ehe mit der des Mordes beschuldigten Ehefrau zu einem Partner geriet, der unter dem Pantoffel stand. Was der beste Freund des Speditionsunternehmers schilderte, passte in das Bild. Regelmäßig genossene Brotzeiten samt Bier unterblieben plötzlich, gemeinsame Treffen waren offenbar untersagt worden. Wie bitte? Die Gerichtsvorsitzende Roswitha Stöber hakte nach und erfuhr: Der 39-Jährige sei erschienen und habe es abgelehnt, mit auf eine Halbe Bier zu kommen.
"Du kannst das auch schriftlich haben", soll er zu seinem Kumpel gesagt und dann einen Zettel beschrieben haben. Darauf stand: "Ich darf heute nicht allein wegfahren." Das Stück Papier liegt bei den Akten.

Mit kurzläufiger Waffe

Es kam noch heftiger. Der Freund erzählte, dass der Spediteur zu ihm gekommen sei und im Gesicht ziemlich verschwollen aussah. "Sie hat mir eine betoniert", soll er gesagt haben.

Es gab angeblich ein weiteres Zwiegespräch zwischen den zwei Jahrzehnte lang eng vertrauten Männern. Dabei erfuhr der eine vom anderen, dass er von seiner Frau angeschossen und durch einen Streifschuss verwundet worden sei. Das sei mit einer kurzläufigen Waffe geschehen.

Noch eines wusste der engste Freund des Verstorbenen: "Nach der Hochzeit der beiden hatte ich kaum mehr Kontakt zu ihm. Aber er war mal bei mir und hat gesagt: Am 1. Mai muss sie ausziehen." Das Maß von Zumutungen schien zu diesem Zeitpunkt überschritten. In Erinnerung hatte der Mann auch noch eine andere Begebenheit. Sie drehte sich um einen Bagger, den der Spediteur mit der dem Kind im Manne innewohnenden Freude bediente. "Da ist sie in mein Büro gelaufen und hat sich lautstark entrüstet: Die ganze Zeit jammert er über Rückenprobleme. Und dann setzt sich das A....loch in einen Bagger!"
Es gab auch einen Zeugen, der dem 39-Jährigen gelegentlich Schwerlastfahrzeuge verkaufte und seinen Kunden ("Der war solvent") ab und an auf ein Bier besuchte. Er wusste: "Als die Frau da war, ist es nicht mehr so wie früher gewesen." Auch eine enge Freundin der Angeklagten wurde vernommen. "Was hat Sie Ihnen erzählt?", wollte die Gerichtsvorsitzende wissen und erfuhr: "Wir haben über die Ereignisse geredet und sie hat berichtet, dass sie im Bad war, sich geduscht und später ihren Mann leblos im Keller gefunden hat." Bei dieser Freundin hatte die Angeklagte nach dem Vorfall in Pfreimd ein halbes Jahr lang gelebt.

Bohrende Fragen

Die bohrenden und sich oftmals für Beobachter nur schwer erschließbaren Fragen der beiden Verteidiger haben sich am Dienstag fortgesetzt. Der beste Freund des Spediteurs hätte beantworten sollen: "Wie viel hat der Mann getrunken?" Schlagfertig kam es zurück: "Das hätte ich mir aufschreiben müssen."

Weitere Frage an den Zeugen: "Ist es in Ihrer Bekanntschaft normal, dass man tagsüber Bier trinkt?" Das löste eine gewisse Sprachlosigkeit aus. Noch immer nimmt das Schwurgericht dieses Insistieren kommentarlos hin. (Im Blickpunkt)

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