18.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Industrie und Handwerk fehlen Auszubildende - Noch interessante Berufe zu haben Die Sackgasse ist gar keine mehr

Die Luitpoldhütte würde gerne vier Gießereimechaniker ausbilden, die AMA bietet eine Stelle als Lehrling zum Zerspannungsmechaniker. Und bei Mercedes Widmann ist gleich eine ganze Palette an Ausbildungsstellen zu besetzen. Der Lehrstellenmarkt in der Region ist beinahe wie leer gefegt - doch im Gegensatz zur Situation vor einigen Jahren fehlen jetzt die jungen Nachwuchskräfte, um das Angebot zu befriedigen.

Fabian Schmidt aus Ensdorf ist bereits am Ende des zweiten Lehrjahrs als Mauerer angekommen. Ihm gefällt der Beruf, den er bei der Amberger Baufirma Arbogast lernt. Bild: Hartl
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

"Die Demografie wird zunehmend spürbar", sagt Ralf Kohl, der Bereichsleiter Berufsbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niederbayern/Oberpfalz. Das meint er vor allem im Hinblick auf die zahlreichen Lehrstellen, die auch in diesem Jahr wieder unbesetzt bleiben werden. Rund 600 waren es im IHK-Bezirk vor einem Jahr, mit einer ähnlichen Größenordnung rechnet Kohl am Ende auch für 2014.

Rund 400 offene Stellen

"Im ostbayerischen Handwerk gibt es derzeit rund 1500 offene Lehrstellen, 400 davon im Bereich Amberg-Sulzbach." Kreishandwerksmeister Johann Weber weiß von den Problemen, die Handwerksbetriebe inzwischen haben, den zu qualifizierenden Nachwuchs anzulocken. Natürlich sind es vor allem die wegen der Anfangszeiten, der körperlichen Arbeit oder der schlechten Bezahlung ohnehin nicht mit Auszubildenden gesegneten Branchen, in denen der Nachwuchsmangel spürbarer wird.

Bäcker, Metzger oder Mauerer will heute fast kein junger Mensch mehr werden. Doch die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer bietet auch Ausbildungsplätze zum Technischen Modellbauer (Firma Blödt, Amberg) zum Schornsteinfeger (Martin Menzel, Poppenricht) oder Zimmerer (Firma Holzner, Amberg) an.

Und auch die Industrie sucht Mechatroniker-Auszubildende (IMA, Amberg), Großhandelskaufleute (Baywa, Amberg) oder auch Verkäufer (Lidl, Amberg). "Vor 15 oder 20 Jahren waren noch Berufe mit ungünstigen Arbeitszeiten gefragt", sagt Johann Weber. Doch die Zeiten sind vorbei, in denen junge Menschen irgendeinen Beruf erlernt haben - Hauptsache sie hatten überhaupt eine Ausbildung. "Vor zehn Jahren haben wir jedes Jahr im Bezirk der Handwerkskammer zwischen 500 und 600 Lehrlinge zu viel gehabt", erinnert sich Weber nicht allzu weit zurück. Heute ist die Situation völlig umgekehrt.

Anforderungen sind gleich geblieben

Dabei sind die Anforderungen aber nahezu gleich geblieben, weiß IHK-Berufsbilder Ralf Kohl. "Man muss schon noch was mitbringen an Grundvoraussetzungen und Motivation", warnt er die jungen Leute vor. Nur wenige Unternehmen seien inzwischen bereit, auch schlechter qualifizierte Schulabgänger einzustellen als vor zehn Jahren. Auf der anderen Seite steige aber die Bereitschaft zur firmeninternen Fortbildung deutlich an.

Eine endgültige Entscheidung ist ein Lehrberuf übrigens keine, sagt der Experte. "Es gibt eine Riesenpalette an Weiterbildungsmöglichkeiten", präzisiert Ralf Kohl. Da seien von der Position oder vom Einkommen her kaum Grenzen gesetzt. "Eine Lehre", so Kohl, "ist heute keine Sackgasse mehr."

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