Jörg Maurer fesselt bei Lesung nicht nur seine Zuhörer
Unterholz-Humor

Es wurde eng in der Buchhandlung Rupprecht, als am Donnerstag der Alpenkrimi-Autor Jörg Maurer seinen fünften Kriminalroman mit dem Chefermittler Hubertus Jennerwein vorstellte. Über den Titel "Unterholz" habe er lange nachgedacht, denn der Begriff Unterholz habe vielfältige Bedeutung, etwa der Waldbewuchs unterhalb der Baumkronen oder ein Teil des hölzernen Stimmstocks im Klavier. Für die alten Griechen waren die Gedärme das Unterholz des Leibes, und in der finnischen Sauna gebe es ein Unterholz, den Platz unter dem tiefsten Holzbrett, also ganz tief unten, das einfach nicht mehr unterbietbar sei.

Der Krimi "Unterholz" spiele im Werdenfelser Land, zwischen Bergen und Gehölz, und dann greift Maurer in die Tasten seines Keyboards und besingt seinen Geburtsort Garmisch-Partenkirchen mit 500 Tagen Sonnenschein im Jahr. Für den Ermittler Jennerwein spreche, dass er alle seine Fälle gelöst habe, aber wie "Unterholz" ende, werde er nicht verraten, denn der Krimi solle gekauft werden. Düster und für Jennerwein dramatisch beginnt der Alpenkrimi, denn der Kommissar liegt mit Klaviersaiten gefesselt im Wald, jede Bewegung schmerzt. Da erinnert er sich an die "Schweinefessel", mit der Fremdenlegionäre ihre Gefangenen ruhig stellten oder folterten. Etwas Schwarzes krabbelt auf Jennerwein zu und er erkennt die Aaskäfer, im Volksmund die Knöcherlputzer.
Einen Krimi könne man natürlich auch zünftig bayerisch beginnen, meint Maurer, etwa mit dem Gstanzl "mitten im grünen Wald, liegt ein Mann stumm und kalt, juche". Irgendwann landet Maurer auf der abgelegenen Wolzmüller-Alm, die der neue Pächter nutzt, um dort Seminare für Auftragskiller anzubieten. Eine schon mehrere Tage alte Leiche wird gefunden, eventuell die "Äbtissin", eine berühmte Auftragskillerin, aber was Genaues weiß man nicht.

Wie bei James Bond ...

Maurer erzählt weiter, wie der Fünfjährige Ägidius auf einer Wiese ein leeres Polizeiauto findet, alle Knöpfe drückt, wie er es bei James Bond gesehen hat, aber nichts tut sich. Der Jennerwein hat die beiden Kollegen auch schon vermisst und versucht sie über Funk zu erreichen, aber da gibt es Verständigungsschwierigkeiten mit dem Ägidius, der die Frage, wie seine Eltern heißen, ganz klar beantwortet: Mama und Papa.

Plötzlich bricht Jörg Maurer seine Lesung ab, denn er will nicht alles verraten. Weil diese Lesung schon seit langer Zeit ausverkauft ist, kann die "Intendantin" Maria Rupprecht dem Maurer noch die Herbergssuche der Heiligen Familie abschwatzen. Nicht ganz bibeltreu aber unterhaltsam ist die Geschichte, denn der Josef hat von Berufs wegen an den Holztüren der Herbergen etwas auszusetzen, und als er hinter der dritten Tür nur Spanplattenmöbel von Ikea entdeckt, nächtigen Josef und Maria lieber im Stall.

... oder beim Qualtinger

In der Art von Helmut Qualtinger berichtet Jörg Maurer von den Hirten, denen der Engel erscheint und die keine Angst vor ihm haben. Als es dem Engel mit einem besonders grantigen Hirten zu dumm wird, packt er ihn am Kragen und fliegt mit ihm nach Norden, wo er den Hirten am Donauknie fallen lässt. Der habe dann dort zusammen mit einer rassigen Ungarin Wien gegründet.

Hintergründig, mit viel schwarzem und deftigem Humor erzählt Jörg Maurer seine Geschichten, bedient musikalisch typisch bayerische Klischees und aus dem Trauermarsch bei der Beerdigung von Hans Albers klingt "La Paloma" heraus. Mörderische Gstanzln singt Jörg Maurer, gleitet fast unbemerkt vom Dreivierteltakt in den Blues hinüber und präsentiert "Paulchen Panther" als Rumba, russisch und so, wie es Mozart gespielt hätte.
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