27.01.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

"Johann Strauß Operette Wien": Fledermaus flatterte fröhlich, Champagner-Laune kam selten auf Schwan oder Ente sind beides a Gans

"Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist" - Wiener Lässigkeit, die 140 Jahre nach der Uraufführung noch Gültigkeit hat. Glücklich konnte man über die stimmliche Besetzung des Strauß'schen Operettenklassikers sein - nicht zu ändern ist, dass dem kleinen Orchester der "Johann Strauß Operette Wien" und dem nüchternen Bühnenbild ein wenig der beschwipste Schwung fehlten.

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Der Streit, was als E-Musik zu gelten habe und was sich zur U-Musik gesellen müsse, ist so alt wie die Musikkritik. Die "Fledermaus" gilt seit der vom Meister selbst dirigierten Uraufführung 1874 als "musikdramatisches Meisterwerk der leichten Muse".

Oje, wie rührt mich dies

Auf französischer Tradition aufbauend schuf Strauß mit der "Fledermaus" ein für die Gattung beispielhaftes Werk: den Prototyp der klassischen Wiener Operette mit tänzerisch-mitreißendem Schwung der inzwischen weltberühmten Melodien. Schon die Ouvertüre ist ein kompositorisches Meisterwerk, das an Dirigenten und Orchester hohe Ansprüche stellt - und hier beginnt das Dilemma der Amberger Aufführung. Das kleine Orchester mühte sich redlich, schaffte es aber selten, den kaiserlich-dekadenten Pomp rüber zu bringen - "oje, oje, wie rührt mich dies!"

Die Hauptrollen waren mit Wilhelm Schupp als Gabriel von Eisenstein, dem etwas staksigen Andreas Hirsch als Fledermaus Dr. Falk, und der Dame des Hauses, Evelyne Lennert, als reife Schönheit Rosalinde gut besetzt. Vor dem nüchternen Bühnenbild, das mehr die Gemütlichkeit eines Bauerntheaters als die Grandezza der Wiener Hofgeschellschaft versprühte, streckten sich die Akteure zur Decke, ohne den Operettenhimmel zu berühren.

Der witzige Wiener Schmäh der Librettisten Carl Haffner und Richard Genée, die im Original ein Sittenbild des vom Zerfall bedrohten Habsburger Reiches zeichneten, überspitzte Professor Wilhelm Schupp manchmal zur Parodie. Reizen Stubenmädchen Adeles profunde Biologiekenntnisse noch zum Lachen: "Schwan oder Ente sind beides a Gans!", so motivieren Kalauer der Marke "Wodka Gorbatschow oder Wodka Putin" allenfalls zum Schenkelklopfen. Der Stimmung im gut besetzten ACC tat dies freilich am Sonntagabend keinen Abbruch. Operettenliebhaber freuten sich über die im Vergleich zur Vorgängeraufführung um Klassen bessere Darbietung.

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