29.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Jugendbereich profitiert laut Verantwortlichen nicht direkt vom WM-Titel Es fehlt der letzte Kick

Die Knirpse, die über die hiesigen Fußballfelder laufen, tragen stolz DFB-Trikots mit Götze oder Özil als Aufschrift. Manche haben sogar schon eines der neuesten Exemplare mit vier Sternen. Der WM-Titel ruft Begeisterung hervor. Doch recht viel Einfluss hat das auf die Jugendbereiche in Amberg und im Landkreis nicht.

Daumen hoch für den WM-Titel. Vor allem die Kinder freuen sich über den Erfolg der Nationalmannschaft in Brasilien. Deshalb streifen sich auch immer mehr Buben und Mädchen die DFB-Trikots über. Bild: BFV
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Markus Nissler, 2. Juniorenleiter des SC Germania Amberg, gesteht: "Ehrlich gesagt merken wir keinen Unterschied, was die Neuanmeldungen betrifft." Der Verein sei allerdings in der glücklichen Lage, für fast alle Junioren-Bereiche eine eigene Mannschaft stellen zu können. Dafür muss der 2. Juniorenleiter allerdings auch kämpfen: "Wir bieten Probetrainings für Bambini und veranstalten jedes Jahr ein Jugendcamp." Dennoch rechnet Nissler damit, dass künftig kein Weg mehr an Spielgemeinschaften vorbeiführt.

Die Sportfreunde Ursulapoppenricht sind bereits in so einer Situation. Im Kleinfeldbereich (bis zur E-Jugend) gibt es eine Spielgemeinschaft mit den Gebenbachern. Ab der D-Jugend, also beim Großfeld, kooperieren die Sportfreunde mit demselben Verein und zusätzlich mit Hahnbach. Das liegt nach Meinung von SFU-Jugendleiter Michael Schmidbauer auch daran, dass es in der Region eine große Vereinsdichte gebe. Das heißt: viele Fußballklubs, nicht genügend Nachwuchskicker.

Außerdem erklärte er, dass die Weltmeisterschaft in Brasilien nichts an der Situation geändert habe. Schmidbauer sagt über das Spieleraufkommen: "Es gibt keinen signifikanten Anstieg." Es sei höchstens so, dass Kinder, die zwischenzeitlich aufgehört haben, wieder anfangen. "Das führe ich aber nicht auf die WM zurück." Der Verein versucht vor allem, die ganz jungen Kicker zu begeistern: "Es geht darum, die Lust am Fußball zu wecken."

Ganz anders ist die Lage beim FC Amberg dar. Von der G- bis zur A-Jugend stellt der Verein zwei Mannschaften. Mit der jeweiligen Ersten tritt der FC in allen Altersklassen in der höchsten Spielklasse in der Oberpfalz an, mit den Zweiten in der jeweils zweithöchsten. Vorsitzender Werner Aichner erklärt: "Wir haben schon einen gewissen Vorteil, weil das ein oder andere Talent höherklassig spielen will." Dennoch seien die Auswirkungen des demografischen Wandels auch beim Amberger Verein zu spüren.

Über den WM-Sieg sagt Aichner: "Natürlich sind alle begeistert." Der Alltag kehre aber auch schnell wieder ein. In der Wechselzeit tue sich nichts Außergewöhnliches: "Es sind nicht mehr gekommen oder gegangen." Beim Thema Jugendarbeit schlägt der Vorsitzende allerdings in dieselbe Kerbe wie andere Vereine. Die will er nämlich forcieren. Vor allem mit dem Hintergrund: "Andere Vereine können nur noch mit Jugendfördergemeinschaften existieren, speziell im ländlichen Bereich."

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