10.10.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Junge Frau bei Herbstdult beleidigt und mit Schlägen verletzt - Hauptangeklagter hinter Gittern Rassistischer Hass und Gewalt

von Autor HWOProfil

Es musste ein Zeichen gesetzt werden, das in Amberg für klare Verhältnisse sorgt. Es lautet: Wer mit rassistischen Hasstiraden, symbolischen Handlungen aus der NS-Zeit und obendrein auch noch tätlich gegen Menschen vorgeht, die eine andere Hautfarbe haben, wird eingesperrt. Drei Angeklagte saßen vor dem Jugendschöffengericht. Der Haupttäter bekam 16 Monate, bei ihm wurden bereits im Vorfeld des Verfahrens laufende Bewährungen widerrufen. Jetzt sitzt der 30-Jährige bis mindestens 2015.

Das wohl Schlimmste an diesem ganztägigen Verfahren war, dass es im Zuhörerraum Angehörige gab, die sich lautstark über die richterliche Entscheidung mokierten und ihrem Unmut freien Lauf ließen. Dagegen war es für die Ohren unbeteiligter Beobachter schier unglaublich, was Staatsanwalt Tobias Kinzler auflistete. Dabei zeigte sich deutlich: Amberg ist kein weißer Fleck auf der Landkarte, wenn es um rassistisch gesteuerte Exzesse mit nationalsozialistischem Hintergrund geht.

Zusammen mit zwei Begleiterinnen besuchte ein 30-Jähriger im September 2011 die Herbstdult. Nach einigem Biergenuss ging der Mann nach draußen, wollte rauchen, fühlte sich plötzlich nach eigenen Worten "angerempelt". Als Verursacherinnen machte er drei Mädchen (16, 17 und 18 Jahre alt) mit dunkler Hautfarbe aus. Daraufhin kam es zunächst zu einer massiven Verbalattacke.
Der 30-Jährige, nach eigenem Bekunden schon vor Jahren aus der rechten Szene ausgestiegen, setzte zu Beleidigungen der unsäglichsten Art an. Die Mädchen hörten: "Geht nach Afrika, ihr Negerschlampen." Sie vernahmen ferner Worte (und nur dies ist druckreif) wie "Verpisst euch, Neger". Das war allerdings erst der Anfang des abendlichen Intermezzos.

Attacke mit Maßkrug

Plötzlich tauchten die Begleiterinnen des Mannes, beide 20 Jahre alt, vor dem Bierzelt auf. Eine von ihnen schlug mit dem in der Hand getragenen Maßkrug zu, traf eines der drei Mädchen am Kopf. Danach ging die junge Frau zu Boden, bekam nach späterer Überzeugung des Gerichts in dieser Lage erneut Schläge. Diesmal mit der Hand. Dann hagelte es weitere massive Beleidigungen, ertönte durch den 30-Jährigen "Heil Hitler", wurde "Sieg Heil" und "White Power" gerufen.

Security-Männer von der Dultaufsicht gingen dazwischen. Einer von ihnen, mit raschen Schritten herbeigelaufen, sagte der Richterin Petra Froschauer: "Es war ein Chaos." Es grenze eigentlich fast an ein Wunder, äußerte die Vorsitzende nach langer Beweisaufnahme, "dass durch den Maßkrugschlag und die weiteren Hiebe nicht mehr passiert ist." Zwar musste das Opfer zunächst in die Notaufnahme des Amberger Klinikums. Dort aber stellte sich heraus, dass die Folgen des Angriffs glücklicherweise nicht von großer Tragweite waren.
Den Befragungen der Beschuldigten ließ sich nicht viel entnehmen. Genossener Alkohol wurde geltend gemacht, nur an Beleidigungen mochte sich der 30-Jährige erinnern. Danach hörte das Jugendschöffengericht fast ein Dutzend Zeugen. Hierbei klang durch, wie heftig die jähe Attacke war, dass auch "Heil Hitler" und "Sieg Heil" skandiert wurde.

Die beiden 20-jährigen Frauen kamen einigermaßen glimpflich davon. Die eine muss (weil nur an den Beleidigungen beteiligt) 500 Euro Geldstrafe zahlen. Die andere, mit dem Maßkrug tätlich geworden, bekam zehn Monate Jugendhaft zur Bewährung. Sie hat außerdem 1000 Euro Geldauflage zu entrichten.

Rechtes Gedankengut

Härter traf es den 30-Jährigen, der zum Prozess sieben zum Teil einschlägige Vorstrafen mitbrachte. Er muss, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, 16 Monate hinter Gitter und außerdem Ahndungen absitzen, deren Bewährung die Justiz unterdessen widerrufen hat. Das Urteil unterschied sich nur unwesentlich von den Anträgen des Staatsanwalts Kinzler. In seinem Plädoyer sagte er: "Der Hauptangeklagte legt Wert auf die Feststellung, dass er sich von der rechten Szene losgesagt hat. Aber er vertritt nach wie vor deren Gedankengut."

Dieser Auffassung schloss sich das Gericht an. "Ihre Anschauungen wurzeln offenbar tief", sagte die Vorsitzende Petra Froschauer mit Blick auf den 30-Jährigen. Im Prozessverlauf hatte sie Eintragungen aus einer "Facebook"-Seite verlesen. Darin hieß es sinngemäß, man habe eine Auseinandersetzung "mit Negern" gehabt und diese wohl siegreich beendet.

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