02.06.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Kakteen im Freiland: Die richtigen Sorten vertragen auch unsere Winter Die Exoten im Garten

Auf der Fensterbank haben sie viele Pflanzenfans stehen, doch im Garten sind Kakteen seltene Exoten - vielleicht, weil die wenigsten Hobbygärtner wissen, dass man die stacheligen Gewächse selbst im hiesigen Klima im Freien kultivieren kann.

von Heike Unger Kontakt Profil

Das ist übrigens gar nicht so schwierig, wie man vermuten könnte, sofern man die richtigen Sorten wählt. Wer dazu ein paar Tipps beherzigt, kann sich an einem außergewöhnlichen Beet-Schmuck erfreuen. Die meisten Menschen verbinden Kakteen mit der Wüste. Nur wenige wissen wie Gartenfachberater Werner Huber, dass die Stachel-Pflanzen auch im kanadischen Bergland und in den Rocky Mountains wachsen, wo sie im Schnee überwintern. Auch in den Anden findet man sie, in 4000 Metern Höhe müssen sie mit Temperaturschwankungen zwischen - 20 und + 30 Grad zurecht kommen. Nicht nur deshalb sind Kakteen echte Überlebenskünstler. Diesen Titel verdienen sie vor allem auch, weil sie lange "Durststrecken" überstehen können: Mit seinem weit verzweigten, großen Wurzelwerk kann ein Riesenkaktus "locker 2000 Liter Wasser speichern", erläutert Huber. Andere Sorten strecken ihre Pfahlwurzeln so tief in den Boden, bis sie dort auf Wasser stoßen.

Kakteen sind Individuen

Drei Arten unterscheidet der Gartenfachberater. Die eine bilden jene Kakteen, die aus den Tropen stammen und bei uns auf der Fensterbank kultiviert werden können, die zweite umfasst die Sorten, die von Mai bis September auch im Freien sein können und die dritte sind die "Freilandkakteen", die das ganze Jahr über draußen bleiben können.

"Kakteen sind Individuen", betont Werner Huber, deshalb wolle "jede Art anders behandelt" werden. Aus diesem Grund empfiehlt er auch Anfängern, sich zunächst auf maximal zwei verschiedene Arten zu beschränken - "und wenn man die beherrscht", seine Kollektion zu vergrößern. Die meisten Freilandkakteen gibt es übrigens in den amerikanischen Rocky Mountains, in Höhen zwischen 1500 und 1800 Metern. Der Winter dort ist härter als bei uns, aber auch trockener. Deshalb, so Hubers Empfehlung, müssen Oberpfälzer Hobbygärtner ihre Freilandkakteen auch nicht vor Frost schützen, sondern vor Regen. Besonders gut gelingt dies, wenn das Kakteen-Beet direkt am Gartenhaus, unter dessen Dachvorsprung, angelegt wird.

Die Größe des Kakteen-Beetes spielt keine Rolle, es sollte aber möglichst an einer Südwand liegen, etwa 30 Zentimeter tief sein und - wegen der Sonneneinstrahlung - eine Neigung von etwa 20 Grad haben. Eine Drainage-Schicht aus Sand und Kies ermöglicht den Wasserablauf, während auf dem Beet ein etwa zehn Zentimeter dickes Gemisch aus Sand, Bims und Lavagestein als Wärmespeicher dient.

Heikles Thema: Gießen

Ein "heikles Thema" ist das Gießen, wie Huber betont: "Ein Kaktus sagt nicht, wenn er tot gegossen ist - das merkt man erst, wenn er waagrecht da liegt". Patentrezepte gibt es nicht, nur ein paar Anhaltspunkte: In der Winterruhe keinen Tropfen, wenn der Kaktus wächst, mehr gießen, wenn er blüht, auch - und die Exemplare mit Stacheln brauchen mehr Wasser als die ohne.

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