24.02.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Kiloweise Haschisch

von Autor HWOProfil

Sie wiesen zunächst jeden Verdacht von sich, wollten nicht mit Rauschgift gehandelt haben. Als es dann am fünften Prozesstag ein Angebot der Staatsanwaltschaft gab, legten ein 32-Jähriger und seine ehemalige Lebensgefährtin (29) Geständnisse ab und räumten ein, dass in ihrer Amberger Wohnung etliche Kilo Haschisch verkauft wurden. Der Mann muss nun vier Jahre in Haft und hat eine Therapie zu machen. Die Frau kam mit zwei Jahren zur Bewährung davon.

Zeuge packt aus

Die Verhandlung vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts hatte im Januar begonnen, sie zog sich angesichts einer umfangreichen Beweisaufnahme lange hin. Die beiden Angeklagten wollten zunächst mit den durch Staatsanwalt Jürgen Konrad erhobenen Vorwürfen nichts zu tun haben, ein Zeuge aber belastete sie schwer. Der junge Mann, ebenfalls aus Amberg, war selbst tief in den Drogensumpf verwickelt und hatte gegenüber der Polizei umfangreich "ausgepackt". Als die Anschuldigungen im Protokoll der Kripo standen, kam es vor nunmehr zwei Jahren zu einer Reihe von Festnahmen. Darunter befanden sich auch ein heute 32-Jähriger und dessen damalige Freundin. Bei seinen Nachforschungen war Staatsanwalt Konrad auf über 24 Pfund Haschisch und Marihuana gestoßen, die das Paar von seiner gemeinsamen Wohnung aus verhökert hatten. Kilopreis: In der Regel waren es 5500 Euro, mitunter auch 4000 Euro.
Erst am fünften Verhandlungstag brachen die Angeklagten ihr Schweigen und räumten mehrere Punkte der Anklageschrift ein. Unter dem Strich gestand der 32-Jährige, rund sieben Kilo Haschisch verkauft zu haben. Als er dann eines Tages auf Entzug kam, wurde seine Lebensgefährtin zur "Anlaufstelle" für Drogenkunden auserkoren. Sie verkaufte 40 Platten Haschisch mit einem Gesamtgwicht von acht Pfund. Wo genau die heiße Ware herstammte und wer sie dem Paar überließ, konnte nie genau ermittelt werden.

Unmittelbar vor dem Abschluss der Beweisaufnahme kam eine Offerte vom Staatsanwalt: Im Fall von Geständnissen, so kündigte Jürgen Konrad an, werde er bei dem 32-Jährigen im Antrag nicht über vier Jahre hinausgehen. Der 29-Jährigen stellte Konrad eine Haftstrafe von zwei Jahren mit Bewährung in Aussicht. Die Anwälte und ihre Mandanten akzeptierten. Noch aber musste sich die unter Vorsitz von Landgerichts-Vizepräsidentin Roswitha Stöber tagende Strafkammer äußern. Das geschah innerhalb kurzer Zeit. Dann stand fest: Auch die Richter waren willens, sich an die Vereinbarung zu halten.

Junge Mutter dealt

Die Urteilsberatung dauerte nur eine knappe Stunde. Die auf der Anklagebank sitzende junge Mutter bekam zwei Jahre mit Bewährung, sie muss sich regelmäßigen Drogentests unterziehen. Ihr Ex-Partner erhielt vier Jahre. Er muss während dieser Zeit in eine zwei Jahre dauernde Entzugstherapie. Dazu hatte im Verlauf des Prozesses der Psychiater Dr. Georg Lotter dringend geraten. Lotter sagte wörtlich: "Was der Mann macht, ist Selbstmord auf Raten." Mit dem Gewinn aus den Haschischgeschäften hatte er über Jahre hinweg seine eigene Sucht finanziert.

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