08.06.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Kindergartenprojekt in St. Michael: Kinder erkunden Gebäude und Menschen Was der Pater "drunter" trägt

Dass die Zimmer der Franziskaner im Kloster auf dem Mariahilfberg so klein sind - "kleiner als die meisten Kinderzimmer" - hätten die Kindergartenkinder von St. Michael nicht gedacht. Besonders überrascht aber waren sie, als Guardian Pater Gregor auf ihre Frage, was er denn unter seiner Kutte trage, diese kurzerhand auszog, um die Antwort zu präsentieren: ganz normale Kleidung.

von Heike Unger Kontakt Profil

Diese und viele weitere Einblicke in ihre Heimatstadt gewannen die Kinder bei ihren "Architek-Touren" in den vergangenen Monaten: einem Projekt des Kindergartens, bei dem die Kleinen spielerisch und in einer ganzheitlichen Weise ihren Lebens- und Handlungsraum erforschen sollen. "Sie sehen und erleben Aspekte von Gebäuden, die sie sonst kaum wahrnehmen, erkennen, dass Häuser verschieden sind in Form und Funktion, in ihrer Farbgebung und Ausgestaltung und wie sie in Bezug zur Umgebung stehen", erläutert Kindergartenleiterin Brigitte Netta.

Die Kinder erfahren bei ihren Ausflügen auch, wie sich die Architektur im Lauf der Geschichte weiter entwickelt hat und wie sie die Menschen ihren Bedürfnissen zum Leben und Arbeiten angepasst haben. Ziel des Projektes ist es, so Netta, Freude an der Begegnung mit der Architektur zu wecken, Fantasie und Kreativität anzuregen, geschichtliches Wissen zu vermitteln und durch das "Erleben eines Gebäudes und von Wohn-, Arbeits- und Lebenssituationen soziales und emotionales Verhalten" zu entwickeln und zu bereichern. Die Touren und ihre Fragen an die Verantwortlichen, die sie durch die Gebäude führen, erarbeiten die Kleinen in der so genannten "Schulkinderkonferenz" im Kindergarten selbst. In dieser Runde werden die Exkursionen später auch noch nachbereitet.

Dabei werden die Fragen der Kinder, die Antworten ihrer Gastgeber und Beobachtungen, die dem Nachwuchs sonst noch aufgefallen sind, in einer Dokumentationsmappe fest gehalten, die im Garderobenbereich des Kindergartens aufliegt. Darin blättern auch die Eltern gerne, wie Brigitte Netta aufgefallen ist. Erfreut ist die Kindergartenleiterin darüber, dass ihre Schützlinge sich "sehr engagiert" am "Architek-Tour"-Projekt beteiligen. Für die Erzieherinnen sei es aber auch "sehr erstaunlich, wie offen und mit welcher Wertschätzung die Verantwortlichen auf die Termin-Anfrage für unseren Besuch reagieren". Teilweise sei das Erstaunen groß, weil sich "Kindergartenkinder" informieren wollen.

Beeindruckt sind Brigitte Netta und ihre Kolleginnen davon, "wie frei und selbstbewusst" die Kinder in den Konferenzen ihre Beobachtungen, Eindrücke und die Antworten ihrer Gesprächspartner einbringen. Vom Projekt profitieren aber auch die "Großen", über die Dokumentationsmappe, wie Brigitte Netta berichtet: "Aus Gesprächen wissen wir, dass einige Erwachsene durch diese Lektüre einerseits mit ihrem Kind ins Gespräch kommen und andererseits ihr Wissen über die Heimatstadt erweitern".

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