Maifeier thematisiert auch Nazis und Ex-OB Filbig
Front gegen entwertete Arbeit

Ein gesetzlicher Mindestlohn, eine angemessene Vergütung der Leiharbeit und die in Amberg "gerne verdrängte faschistische Vergangenheit": Das waren gestern die zentralen Themen bei der DGB-Maikundgebung zum Tag der Arbeit auf dem Schrannenplatz.

Zuvor waren die Gewerkschafter mit Fahnen und Transparenten im langen Zug zum Takt des Musikvereins Haselmühl-Kümmersbruck vom Bahnhof durch die Altstadt marschiert. Bernhard Wallner, der Vorsitzende des DGB-Ortskartells Amberg, meinte vor zahlreichen Mandatsträgern der SPD sowie Bürgermeister Rudolf Maier, dass der 1. Mai "unser Tag ist": der Tag der Beschäftigten, die den Wohlstand des Staates erarbeiteten. Leider sei festzustellen, dass Arbeit entwertet werde; dass oft aus sicheren Stellen unsichere Jobs würden und dass immer mehr Personal unter schlechten Arbeitsbedingungen leide. Wallner forderte eine neue Ordnung der Arbeit durch Stärkung der Mitbestimmung und Tarifautonomie, gesetzlichen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro, gleiches Geld für Leiharbeit und eine Rente, die zum Leben reiche.

Ambergs IG-Metall-Jugendsekretär Matthias Scherr erinnerte daran, dass am 2. Mai vor 80 Jahren die Gewerkschaftshäuser durch die Nationalsozialisten besetzt wurden. Das geschah nach seiner Auskunft auch mit dem damaligen Gewerkschaftsbüro am Dultplatz. Fünf Monate später sei Josef Filbig, laut Scherr einer der führenden Köpfe der NSDAP, zum Oberbürgermeister gewählt worden. 1952 kam er erneut in dieses Amt. Scherr warf der Stadt Amberg vor, auf dem rechten Auge blind zu sein. Nach seiner Ansicht müsste die "Ahnengalerie" der Oberbürgermeister im Rathaus mit einer Kommentierung versehen sein, die über die Vergangenheit Filbigs Aufschluss gibt.
Auch Udo Fechtner, der 2. Bevollmächtigte der örtlichen IGM-Verwaltungsstelle und gestern Hauptredner, meinte, dass in Amberg "das Vorhandensein einer rechten Szene verdrängt wird". Zur Einkommenssituation betonte er, dass jeder ein Recht auf einen angemessenen Lohn und später eine Rente haben müsse, um davon auch leben zu können. Neben Mindestlohn und Einschränkung der Leiharbeit, für die teils nur 50 Prozent des üblichen Lohn bezahlt würde - Fechtner sprach von einer Mehrklassengesellschaft in solchen Betrieben und einem "Skandal" - forderte der IGM-Vize von der Bundesregierung, Banken endlich an die kurze Leine zu nehmen. Denn sie "zockten" heute schon wieder wie vor der Krise.

Zur Altersversorgung politischer Mandatsträger meinte Fechtner: "Unsere Abgeordneten stinken mit vollen Hosen wie die Sau, gönnen aber anderen nicht den vernünftigen Lohn." Und zu Ex-CSU-Fraktionschef Georg Schmid: "Dem Schüttel-Schorsch seine Frau hätte 140 Stunden die Woche arbeiten müssen, um auf 5500 Euro im Monat zu kommen." Dass diese Einkünfte versteuert wurden, müsse Schmid nicht an die große Glocke hängen, das sei bei jedem Arbeitnehmer selbstredend.
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