13.08.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Mit Flaschenhieb und Tritten das Opfer schwerverletzt - Verbrechen in Spielhalle vor Gericht Unbarmherzig, eiskalt, gnadenlos

von Autor HWOProfil

Der Räuber kannte keine Gnade. Wieder und wieder trat der Täter auf den Kopf seines wehrlosen Opfers ein, richtete ein Blutbad an. Dabei hatte ihn die 60-Jährige, als Aufsichtskraft einer Spielhalle in Sulzbach-Rosenberg der Willkür ihres Peinigers hilflos ausgeliefert, angefleht: "Bub, du hast doch das Geld. Lass ab von mir."

Wodka getrunken

Der Täter gestand am Montag vor dem Landgericht. Allerdings mit Einschränkungen. Es war der Tag vor Heiligabend im letzten Jahr. Um 6 Uhr morgens wurde die Spielhalle "Good Luck" aufgesperrt, draußen wartete bereits ein junger Mann. Er hatte die Nacht hindurch eine Runde durch Lokale in Sulzbach-Rosenberg gedreht, Wodka getrunken und wollte zum Abschluss noch seiner Spielleidenschaft nachgehen. Münze für Münze wanderte in die Automaten. 140 Euro standen auf der Verlustliste. Das und der Umstand, dass man seinen Bruder kurz zuvor hinter Gitter gebracht hatte, habe zu Frust bei ihm geführt, sagt der 24-jährige Übersiedler jetzt vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts.
Er bestreitet jegliche Raubabsicht, will 670 Euro quasi im Vorbeigehen mitgenommen haben, als das furchtbare Verbrechen geschehen war. In der Spielhalle war eine 60-jährige Aushilfskraft anwesend. Die Frau kam nur ab und an, führte die Aufsicht, brachte Getränke, wechselte auch. Sie hatte sich in einen Küchenraum zurückgezogen, als plötzlich der 24-Jährige vor ihr stand und Münzen in einen 20-Euro-Schein gewechselt haben wollte. Sie schöpfte keinerlei Argwohn, öffnete einen kleinen Tresor, drehte sich dazu um. Was dann passierte, war ohne vergleichbares Beispiel in der Sulzbach-Rosenberger Kriminalgeschichte.

Durch das Öffnen des Safes bekam der junge Mann einen Blick auf einen Packen zusammengefalteter Scheine, die sich im Tresor befanden. Er griff nach einer Mineralwasserflasche und schlug sie der Frau so wuchtig auf den Kopf, dass sie zerbrach. Danach folgte ein Stakkato von Fußtritten. Alle gegen den Kopf der 60-Jährigen, die mit diesen Hieben quer durch die Küche katapultiert wurde.
Plötzlich kam jemand. Ein 50 Jahre alter Taxifahrer trat in die Spielhalle. Der Täter flüchtete durch einen Nebeneingang. Sekunden später offenbarte sich dem Mietwagenchauffeur, was geschehen war. Was er in dem Küchenraum sah, war - wie der Mann jetzt den Richtern bekundete - "ein einziger Bluthaufen." Er holte Polizei und Sanitäter, verständigte auch die Tochter des übel zugerichteten Opfers, wollte den Flüchtigen verfolgen. Doch der war längst abgetaucht.

Die Staatsanwaltschaft wertet die Vorgänge als schweren Raub und gefährliche Körperverletzung. Warum sie das Verbrechen nicht als Mordversuch anklagte, ist eher rätselhaft. Vor der Ersten Strafkammer, die unter Vorsitz von LG-Vizepräsidentin Roswitha Stöber tagt, stellt sich nun die Frage, warum der Übersiedler mit einer solch unglaublichen Grausamkeit gegen sein bis heute gezeichnetes Opfer vorging.

Außer Kontrolle

"Reiner Frust, ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle", behauptet der Angeklagte. Er sitzt da, lächelt bisweilen, hat sich brieflich bei der Frau entschuldigt. "Wäre nicht jemand gekommen, hätte der Mann mich umgebracht", sagt die 60-Jährige. Die angeblich zur Tat verwendeten Halbschuhe hatte die Kripo seinerzeit sichergestellt. Halbschuhe? "Es waren Stiefel", ist das übel zugerichtete Opfer überzeugt.

Der Täter begab sich nach dem Verbrechen in die elterliche Wohnung. Er stellte sich Tage später der nach ihm suchenden Polizei. Bei ihm wurden Geldscheine gefunden, an denen Blut haftete. Das Blut der mit unglaublicher Brutalität attackierten Frau. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. (Im Blickpunkt)

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