12.09.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Mordprozess geht mit riesigen Aufwand einher - Stundenlange Sichtung von Akten und Bildern Wie ein Puzzle mit Tausend Steinchen

von Autor HWOProfil

Es ist, als ob das Amberger Schwurgericht ein Puzzle mit Tausend Steinchen vor sich hat. Die Teile müssen geordnet, aneinandergereiht und dann zusammengesetzt werden. Erst wenn das gelungen ist, wird man wissen, ob ein Speditionsunternehmer aus Pfreimd (Kreis Schwandorf) ermordet wurde oder durch Selbsttötung starb.

Dritter Prozesstag, stundenlanges Abarbeiten von Daten, Fakten, Spuren. Ein Beamter der Amberger Kripo schleppte dicke Aktenordner herein und begann mit einem stundenlangen Vortrag, in dessen Verlauf er seine beweissichernden Maßnahmen am Tatort in einem Haus an der Wernberger Straße in Pfreimd schilderte. Was dabei von ihm und zahlreichen anderen eingesetzten Fahndern geleistet wurde, sucht seinesgleichen in der Amberger Polizeigeschichte.

Die beschriebenen Seiten füllen Dutzende von dicken Bänden. Vernehmungen, Feststellungen, schriftlich vorliegende Gutachten, packenweise Fotos, Aufstellungen von Spuren und beschlagnahmten Gegenständen. Allein rund 200 vorläufig sichergestellte Asservate befinden sich bei der Staatsanwaltschaft. Sie mussten - um die Klein-Klein-Arbeit des Schwurgerichts zu verdeutlichen - alle einzeln verlesen und beschrieben werden. Beispiel: Ein Blutdruckgerät mit dazugehöriger Nylontasche. "Wie groß in den Abmessungen?", wurde von den Verteidigern der 35 Jahre alten Angeklagten hinterfragt. Auch das konnte der Kripomann beantworten.
Der Pfreimder Mordprozess, das steht heute schon fest, wird in die Amberger Justizgeschichte als der wohl mit größtem Aufwand betriebene eingehen. Interessant dabei an diesem dritten Verhandlungstag: In dem Haus waren nicht nur langläufige Jagdwaffen vorhanden. Es gab auch einen Trommelrevolver mit Munition.

Die Vorsitzende des Schwurgerichts, LG-Vizepräsidentin Roswitha Stöber, will nicht, dass der am frühen Morgen des 17. April vergangenen Jahres tot im Keller seines Hauses aufgefundene Mann als "Mordopfer" bezeichnet wird. Er müsse, so ordnete sie an, als "Verstorbener" bezeichnet werden. Damit wurde die bis zu einer Entscheidung geltende Unschuldsvermutung gegenüber der Angeklagten unterstrichen.

Am Mittwoch stand erneut das von Schreinern der Amberger Justizvollzugsanstalt im Landgerichtsgebäude nachgebaute Kellerzimmer im Mittelpunkt. Das Schwurgericht ließ sich dort wieder von einem Spurensicherungsbeamten der Kripo informieren. Die Beschuldigte blieb unterdessen auf der Anklagebank. Sie wurde auf Antrag ihres Verteidigers Robert Hankowetz von ihrer Anwesenheitspflicht befreit. Gleichwohl bekam sie mit, was in dem Raum geschah. Denn alles, was sich dort zuträgt, wird per Videokamera in den Sitzungssaal übertragen.

Das erste Sachverständigengutachten ist unterdessen erstattet worden. Es sorgte allerdings für keinerlei Aufsehen. Eine Expertin schilderte den Richtern, wie DNA-Spuren ausgewertet und zugeordnet wurden. Wesentlich interessantere Gutachterausführungen sind in den nächsten Tagen zu erwarten.

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