17.09.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Mordprozess: Schwurgericht hört Mitschnitte von Telefongesprächen - Kein Indiz für mögliche ... Was ist die Wahrheit?

Hat sie ihren Mann umgebracht oder nicht? Als am Montag vor dem Amberger Schwurgericht abgehörte und mitgeschnittene Telefongespräche der 35-jährigen Angeklagten vorgespielt wurden, bekam man den Eindruck: Nach dem Tod ihres Gatten trauerte diese Frau zutiefst, sah sich nach ihren Worten mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert, stand "vor einem Loch", in das sie fiel.

von Autor HWOProfil

Die Ermittlungsbehörden hatten bereits ab dem 21. April 2012, also wenige Tage nach dem Tod des 39-jährigen Speditionsunternehmers, mit richterlicher Genehmigung die Telefongespräche der mutmaßlichen Täterin abgehört. Das zog sich über viele Wochen hin, wobei den oft sehr vertraulich geführten Unterredungen nicht ein einziges Indiz dafür zu entnehmen war, dass die Frau ihren Ehemann mit einem Schrotschuss in den Kopf in einem Kellerzimmer des gemeinsam bewohnten Hauses umgebracht hatte.

Anständige Beerdigung

Das ganze Gegenteil war der Fall. Zu ihrer engsten Freundin sagte die 35-Jährige: "Ich bin wirklich sauer auf meinen Göttergatten, dass er solche Sch... gemacht hat." Nach dem Willen seiner Frau sollte die Leiche des Mannes verbrannt werden. Doch das mochte offenbar dessen engster Familienkreis nicht dulden. Wieder gab es daraufhin ein Telefonat mit der Freundin. Zitate daraus: "Ich kann überhaupt nicht trauern vor lauter Belastung. Ich kann einfach nicht mehr. Es ist doch schlimm, wenn du nicht Abschied nehmen darfst." Noch ein weiterer Satz fiel: "Du weißt doch, wie er großzügig mit Schlüsseln umgegangen ist. Überall sind sie herumgelegen."
Am 4. Mai 2012 hatte die Erdbestattung offenbar noch immer nicht stattgefunden. In einem Telefonat äußerte die Studienrätin: "Ich will eine anständige Beerdigung für ihn, Etwas anderes ist im Moment für mich nicht wichtig." Am 6. Mai wählte sie die Nummer eines auswärts wohnenden Jagdfreundes und teilte dem völlig entsetzten Mann mit leiser und weinender Stimme mit: "Er hat sich erschossen. Ich habe keinen Abschiedsbrief. Das wollte ich dir persönlich sagen, bevor du es aus anderen Quellen erfährst." Am 10. Mai 2012 sprach die 35-Jährige länger mit einem nahen Angehörigen. Zitat aus dieser Unterredung: "Alle, die mit mir verwandt sind, dürfen die Aussage verweigern." Weiter dann: "Ich hab' nichts getan. Ganz einfach. Die Wahrheit wird ans Tageslicht kommen." Die sich nun im Prozess primär stellende Frage lautet: Was ist die Wahrheit? Denn Unfall oder Selbsttötung scheiden nach Ansicht der in der Vorwoche gehörten Sachverständigen mit Sicherheit aus.

Alter Ehevertrag


Noch eine Aussage fand das Interesse der Richter. Am 13. Mai vergangenen Jahres ließ die 35-Jährige im Gespräch mit einer Bekannten den Satz fallen: "Ich habe den Entwurf des alten Ehevertrages im Rechner gefunden. Da wäre ich im Fall einer Scheidung voll entschädigt worden." Doch die alte Version des Kontraktes zwischen den Eheleuten wurde später durch eine neue ersetzt.

Darin hieß es: Bei Trennung und Scheidung erhalte die Ehefrau keinerlei Entschädigung aus dem Vermögen des Speditionsunternehmers. Am 11. Juli 2012 befand sich die 35-Jährige in einer psychosomatischen Klinik in Franken. Von dort aus rief sie einen Verwandten an und sagte ihm: "Ich will lernen, mit der Trauer umzugehen." Echte oder gespielte Trauer?

Als die Mitschnitte vorgespielt wurden, hörte man erstmals die Stimme der Frau. Im Gerichtssaal hat sie bisher kein Wort gesagt und schweigt beharrlich. (Hintergrund)

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