Nicht nur Katerstimmung nach rauschiger Partynacht
Gegen Willen der Frau

Zu einer ausgelassenen "nachweihnachtlichen" Feier hatten sich sieben Studentinnen und Studenten kurz vor Silvester in einer Wohnung im Außenbezirk von Amberg getroffen. Diese Fete endete für zwei Beteiligte mit einer Zäsur. Nun sahen sich die Partygänger von damals vor der 1. Strafkammer beim Landgericht wieder.

Der eine, ein 35-jähriger Amberger, saß als Angeklagter geknickt vor Kammervorsitzender Roswitha Stöber, wegen des schwerwiegenden Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs. Die andere, eine Studentin (23) aus Ansbach, hat das Geschehene bis dato nicht verarbeitet. Das Opfer ist nach wie vor in psychiatrischer Behandlung und leidet an der Tat, wie es unter Tränen aussagte - unter der behutsamen Befragung der Vorsitzenden Richterin.

Unfähig zum Widerstand

Was passiert ist in jener Nacht, das trug Staatsanwältin Michaela Frauendorfer in ihrer Anklageschrift vor: Der Amberger wird beschuldigt, die Studentin, die "wegen einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung zum Widerstand unfähig ist", missbraucht zu haben. Er habe dabei diese Schwäche der Frau ausgenutzt und den Beischlaf mit ihr vollzogen. Zur Klärung des Sachverhalts zog das Gericht neun Zeugen und zwei Sachverständige hinzu, die unter anderem die Frage klären sollten, ob beim zum Tatzeitpunkt offensichtlich angetrunkenen 35-Jährigen eine Einschränkung seiner Schuldfähigkeit anzunehmen war.
Soweit bekannt, hatten sich die sieben jungen Leute erst in der Wohnung im Außenbezirk getroffen, waren dann in eine Gaststätte gezogen, um danach die Wohnung des Angeklagten in der Innenstadt anzusteuern. Nach offenbar reichlichem Alkoholgenuss legte sich die Ansbacherin dort hin. Sie schlief, wohl auch aufgrund ihrer Trunkenheit, so fest, dass sie erst aufwachte, als der Angeklagte den Geschlechtsverkehr mit ihr vollzogen haben soll.

Schwer alkoholisiert

Sie hätte diesem Treiben nie zugestimmt, sei deshalb aus der Wohnung geflüchtet und habe bei der Polizei Anzeige erstattet. Der Angeklagte wollte oder konnte sich wegen seiner angeblich schweren Alkoholisierung an Details nicht mehr erinnern, räumte aber den Sachverhalt weitgehend ein. Noch im Gerichtssaal sicherte er mit seinem Anwalt aus Frankfurt dem Opfer ein adäquates Schmerzensgeld zu. "Das ist eine Geste der Wiedergutmachung, damit kann man das, was passiert ist, aber nicht aus der Welt schaffen", kommentierte Roswitha Stöber.

Wie sehr die junge Frau unter dem ihr widerfahrenen Missbrauch heute noch leidet, zeige sich in der Tatsache, dass sie auf die Entschuldigung des Täters "lieber verzichten wollte". (Bericht über den Prozessausgang in der nächsten Ausgabe)
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