03.08.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

"Notwehr nicht auszuschließen", befindet Gericht - Sechs Schläge gegen Kopf und Oberkörper Hammerhiebe bleiben ohne Strafe

von Autor HWOProfil

Sie hatten zusammen sieben Promille Alkohol im Blut. Sie drei, er vier. In einer Wohnung nicht weit vom Nabburger Tor entfernt gerieten die beiden, seit zehn Jahren ein Paar, in handgreifliche Auseinandersetzungen. Dabei nahm die Frau einen schweren Hammer, versetzte ihrem Partner sechs wuchtige Hiebe gegen Kopf und Oberkörper. Sie blieben straffrei. "Notwehr ist nicht auszuschließen", befand das Schöffengericht.

Als Funkstreifenbesatzungen und Kriminalbeamte in der nach Augenzeugenberichten vermüllten Wohnung eintrafen, lag im Schlafzimmer ein Schwerverletzter. Der Mann, sinnlos betrunken ("Er konnte weder gehen und noch stehen", attestierte ein Arzt aus dem Klinikum), blutete aus offenen Wunden. Er hatte wuchtige Schläge mit einem, wie die Polizei auf der Waage feststellte, 792 Gramm schweren Zimmermannshammer bekommen. Die Hiebe trafen Kopf und Oberkörper, sie waren wuchtig geführt worden.

Fahnder der Kriminalpolizei ermittelten zunächst wegen eines versuchten Tötungsdeliktes gegen die Täterin, eine 38 Jahre alte Frau. Sie selbst hatte Notarzt und Polizei verständigt. In ersten Befragungen gab sie an: "Der hat mich am Hals gepackt und gewürgt."
Vor Gericht fügte die wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagte Frau jetzt hinzu: "Er ist ansonsten ein lieber Kerl. Nur wenn er Alkohol hat, wird er unberechenbar." Ihr Anwalt Jörg Jendricke ergänzte: "Sie musste sich wehren."

Die Auseinandersetzung hätte bei anderer Bewertung durch die Staatsanwaltschaft auch zum Schwurgericht führen können. Dort wäre allerdings die Beweiskette ebenso rasch zusammengebrochen wie jetzt bei den Schöffenrichtern. Denn als der im Oktober vergangenen Jahres durch die Hammerhiebe schwer verletzte Mann als Zeuge aussagen sollte, verweigerte der 41-Jährige alle Angaben.

Er berief sich dabei auf ein nach wie vor gültiges Verlöbnis mit der Angeklagten. Deshalb stand ihm ein Aussageverweigerungsrecht zu. Das musste akzeptiert werden.

Die Plädoyers dauerten insgesamt drei Minuten, die Urteilsberatung war eher noch kürzer. Die 38-Jährige ("Er hat voller Hass meinen Hals zugedrückt") wurde freigesprochen.

Die Angeklagte, begründete Richter Markus Sand die Entscheidung des Schöffengerichts, habe mit großer Wahrscheinlichkeit aus Angst um ihr Leben in Notwehr gehandelt und dabei nach dem Hammer gegriffen, der irgendwo in Reichweite lag. Das Gegenteil, sagte Sand, sei nicht nachweisbar.

Das Paar hatte sich nach dem Zwischenfall nicht getrennt. Es lebt nach wie vor zusammen. Allerdings jetzt in einer anderen Wohnung.

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